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Zeugnistag an der FH

Wer sich mit der Zukunft der Bildung auseinandersetzt, sollte nicht nur theoretisches Wissen zum Bildungssystem haben, sondern Praxisbezug. Das ist meine feste Überzeugung, und darum lehre ich auch an Hochschulen.

Und wer – wie ich – intensiv einfordert, dass nicht nur die Lernenden sondern auch die Lehrenden regelmäßiges Feedback bekommen sollen, tut gut daran, eben dieses Feedback zu erfragen. Darum bitte ich meine Studenten auch immer, von der angebotenen Möglichkeit, mich zu beurteilen, eifrig Gebrauch zu machen. In meinen Vorlesungen beträgt die Rücklaufquote der Beurteilungen daher auch erfreuliche 65% bis 80%.

Tja, und nun ist Zeugnistag für mich, und ich strahle!

Die Studenten können in insgesamt acht Kategorien Ihre Lehrkraft beurteilen, und zwar nach einer 6-teiligen Skala. In keiner dieser Kategorien hab’ ich eine schlechtere Note als 1,9 bekommen!

Und, noch erfreulicher, die qualitativen Feedbacks – ein paar Zitate:

“bester Vortragende im gesamten Semester”

“ein sehr guter Vortragender; Man merkt, dass er aus der Praxis kommt. auch die Prüfung war sehr gut aufgebaut – es wurde nicht nur auswendig gelerntes abgeprüft, sondern auch die Umsetzung in die Praxis abgefragt”

“toller vortragender, super praxisbezug, sehr spannende Präsentation”

“Er hat die besten Folien und die LV sind äußerst übersichtlich”

“Herr Kühmayer ist ein äußert kompetenter Vortragender, der die Inhalte der LV sehr gut und interessant übermitteln kann!”

“interessant gestalteter Unterricht, keine Langeweile”

“der Vortragende gestaltet die LV sehr interessant und spannend; geht auf jede einzelne Frage ein; “

“Ein sehr guter Vortragender der sehr viel Praxisbezug in die Lehrveranstaltung einbrachte.”

“Herr Kühmayer sollte unbedingt so weitermachen, da er die LV sehr abwechslungsreich und interessant gestalten hat!”

“Gute Mischung aus Theorie und Praxis!”

Das macht mich stolz und dankbar. Ich habe sehr großen Respekt vor der Aufgabe, Studenten unterrichten zu dürfen und versuche mein Bestes in der Vermittlung des Lehrstoffes und in der Einbindung der Studenten zu geben. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass mir das gelingt und meine Bemühungen offenbar ankommen.

Einige Feedbacks haben sich konstruktiv mit einzelnen Aspekten der Lehrveranstaltung auseinandergesetzt, ich werde für das Wintersemester versuchen, diese Anregungen aufzugreifen und einfließen zu lassen. Damit auch die nächste Beurteilung wieder so positiv ausfällt.

Denn die gute Note für den Vortragenden bedeutet schlicht und einfach gute Lernchancen für die Studenten – und das ist das Wichtigste.

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Das zeitgenössische ABC

Der digital Lifestyle ist Realität geworden – damit wird der Computer zu einem zentralen Werkzeug und Katalysator der Bildung.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade “Media Literacy” der Initiative twentytwenty.

Es kann kein Zweifel mehr daran bestehen: Der Umgang mit Informationstechnologie hat sich zu einer weiteren Kulturtechnik entwickelt. Doch technologische Fähigkeiten alleine sind nicht ausreichend: Angesichts der vielfältigen Lebens- und Arbeitsbereiche, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) inzwischen berührt, geht es nicht mehr nur darum, die Handhabung zu beherrschen, sondern die Auswirkungen auf das tägliche Privat- und Berufsleben zu verstehen. Der Computer stellt ein einzigartiges Werkzeug für den Einsatz im Unterricht dar – und diese Chance erschließt sich nicht alleine durch das Aufstellen von PCs im Klassenzimmer.

Abgesehen von der Relevanz von Computerkenntnissen für das Privat- und Berufsleben verspricht der Einsatz von IT in Schulen nachgewiesenermaßen eine Reihe von Vorteilen: Darunter verbessertes Lernen, gesteigertes Engagement der Schüler, bessere Ausrichtung auf zukünftig geforderte Kompetenzen, Schließen der digitalen Spaltung der Gesellschaft. IT ist also gleichermaßen Katalysator für Bildung und unverzichtbares Instrument der Bildung.

Um aber seine vollen Vorteile auszuspielen, muss der Einsatz von Technologie in Schulen weit über die Phase des Ersetzens bestehender Arbeitsmittel hinausgehen. Personalisiertes Lernen bedeutet eben nicht, Technologie zu verwenden, um hergebrachte Unterrichtsmethoden auf moderne Art weiterzuführen, sondern selbstgewählte Lernprogramme zusammenzustellen und umzusetzen.

Die Rolle der Schule und der Lehrer wird dabei neu zu bewerten sein. Wenig überraschenderweise gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der IKT-Fitness der Lehrer und dem Erfolg des Einsatzes von IKT im Unterricht. Doch wie auch schon heute werden auch künftig Schüler auf diesem Sektor„mehr wissen“ als Lehrer. Die Autorität der Lehrer ergibt sich also nicht als Funktion ihres IT-Fachwissens, sondern als Funktion ihrer pädagogischen Einstellung.

Eine weitere entscheidende Determinante ist die Einbettung von IKT in eine umfassende Bildungsstrategie, sowohl hinsichtlich der aktuellen Ausstattung als auch der Einbindung der vielschichtigen Möglichkeiten von IKT in den Unterricht. Denn die Tatsache, dass Kinder gerne und spielerisch mit IKT umgehen, legt einen idealen Nährboden dafür, dass durch die Nutzung von IKT in einem breiten Fächerkanon selbstmotiviertes und kreatives Lernen möglich ist.

Und schließlich muss der verantwortungsvolle Umgang mit IT erlernt werden (übrigens auch von Erwachsenen!). Jenseits von erhobenen Zeigefingern gilt es aufzuarbeiten, wodurch Glaubwürdigkeit von Information legitimiert ist, welche Konsequenzen sich aus dem Verschwimmen von Grenzen der Privatsphäre ergeben, wie Risiko und Sicherheit ausbalanciert werden können und welchen Beitrag Bürger online leisten können. Dem Bildungssystem kommt die verantwortungsvolle Aufgabe des kritischen Begleiters und reflektierenden Coaches zu.

Mehr zu diesem Themenkreis findet sich in der Studie “Zukunft der Bildung”, die auf hier abrufbar ist, sowie im Abschnitt “Bildung reloaded” der Trendstudie “Österreich 2025″, die beim Zukunftsinstitut Österreich erwerbbar ist.

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Buch 2.0 – ein Change Agent

Im Rahmen der Jahrestagung des österr. Buchhandels hatte ich die Ehre, die Keynote zum Thema “Zukunft: Wissensökonomie” zu halten und dem Branchemedium “Der Anzeiger” ein Interview zu geben.

Neben den Fragen der Veränderung von Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft, und wie eine verantwortungsvolle Bildungspolitik darauf reagieren sollte, stand natürlich die Frage nach der Zukunft des Buches im Raum.

Buch 2.0?

Neue Medien, die Aufmerksamkeit stärker an sich ziehen, aber auch das Buch an sich in neuen Präsentationsformen (vom Audiobook zu Sony eReader, Amazon Kindle, Apple iPad) führen  zu tiefgreifenden Veränderungsprozessen im Buchhandel – erste Vorboten dieser Veränderungen sind spürbar und erlebbar.

Wir stehen hinsichtlich der Auseinandersetzung mit Medien (und gerade auch mit gedruckten Medien) vor einer der größten Umbruchperioden seit der Erfindung des Buchdrucks. Wohin dieser Umbruch letztlich führen wird, wird die Zeit weisen. Aus heutiger Sicht lassen sich zum Buch der Zukunft allenfalls drei Thesen aufstellen:

  1. Das Buch wird Bestand haben, doch die Form wird sich wandeln. An die Seite der Codexform (das gebundene Buch) werden neue Buchformen treten, die auf die jeweilige Nutzungssituation angepasst sind. Hörbücher und eBooks sind dazu der erste Schritt. Es wird also nicht eine Form des “Buches 2.0” geben, sondern mehrere nebeneinander. Damit wird sich auch die Art und Weise differenzieren, wie Bücher konsumiert werden.
  2. Bücher werden eben nicht mehr nur ein Konsumgut sein, sondern entwickeln sich zum Kommunikationsinstrument weiter. Beim Lesen des Buches Social Bookmarking betreiben, sich über einen spannenden Absatz gleich und direkt mit anderen Freunden auszutauschen, eine Vielzahl von Medien (und eben auch dialogische Medien) zu integrieren, wird selbstverständlich.
  3. Das Leid aller Autoren (wann bin ich fertig?) wird reduziert dadurch, dass Bücher nicht unbedingt abgeschlossene Werke sein müssen, wenn sie publiziert werden, sondern können sich kontinuierlich weiterentwickeln. Neue Produktionstechniken, vor allem aber auch die Möglichkeit, dialogische Prozesse zu integrieren (bspw. über Social Media) werden dazu einen Beitrag leisten.

Kurzum: Bücher werden reichhaltiger und kommunikativer.

Das Buch als Bildungsinstrument

Sprache ist von entscheidender Bedeutung für Bildung, durch sie erst erschließt sich uns die Welt (“Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt” – L. Wittgenstein) . Dementsprechend zentral ist die Funktion des Buches als Bildungsinstrument.

Immerhin hat es denooch 400 Jahre (von der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts bis zu Kreisky 1972) gebraucht, bis Schulbücher kostenlos allen Kindern zur Verfügung gestellt wurden. Und auch heute ist es um die Lesekompetenz nicht sonderlich gut bestellt. Jeder fünfte Schüler in Österreich gehört zur sogenannten Risikogruppe Lesen, wo also sinnerfassendes Textverständnis unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Nur 9% gehören zur Spitzengruppe (vg. Korea 22%, Finnland 17%, Neuseeland 16%).

Lesekompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens:

  • Information ermitteln – unabhängige Einzelinformationen heraussuchen, allgemeines Textverständnis
  • Interpretieren – Beziehungen zwischen Informationsteilen herstellen, bewertungen vornehmen
  • Reflektieren – Verknüpfen mit anderem Wissen vornehmen, eigene Einstellung dazu überprüfen, eine Meinung bilden

Wenn man sich vorstellt, dass jeder Fünfte österr. Jugendliche dazu nicht in der Lage ist, sollten alle Alarmglocken läuten. Es gibt also noch viel zu tun, gerade auch in diesem Bereich: Lese- und Medienkompetenz ist Bildungsauftrag.

Kreativität

Um es allerdings auch positiv zu sehen: Dies ist die Generation, die vielleicht am aktivsten von allen Generationen bisher selbst publiziert: Auf Facebook, in Blogs, über Twitter, usw. Das mag eine andere Form der Publikation sein, als wir das bisher gewohnt waren, aber Kinder und Jugendliche leben immer in einer Welt, zu der Eltern nur schwer Zutritt finden – das ist soweit nichts Neues. Neu ist der intensive Austausch, das kleiner werden der Welt, das unsere Fantasie und Kreativität anregt.

Denn wenn wir über Kompetenz sprechen, geht das sehr rasch in die kognitive Richtung, und damit in die Richtung Sachbuch oder allgemein gesagt, in Richtung einer rationale Disziplin.

Sprache (und damit auch das Buch) kann aber viel mehr. Durch Sprache erschließt sich uns nicht nur die Ebene der Wirklichkeit, sondern auch die Ebene der Fantasie.

Das Buch als Change Agent

Schrift und Bücher waren immer schon zentrale Instrumente des Wandels, das ist nicht erst seit der Erfindung des Buchdrucks evident und wird auch über die aktuelle Medienrevolution hinaus gültig bleiben.

Heutzutage würde man wohl sagen: Bücher sind Change Agents. Und das werden sie auch bleiben.

 

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Franz Kühmayer ist Gründer und Eigentümer der Strategieberatung
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