Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Warum ich seit Jahren das Integrationshaus unterstütze

Urlaub in einem wunderbaren traditionellen Skiort im Salzburgischen, ich komm hier seit 30 Jahren her, sommers und winters und geniesse die Athmosphäre, die Berge und die Therme. Ganz fein eben. Fast ganz fein, wie das folgende Erlebnis zeigt, das mich darin bestärkt, aufmerksam gegen Intoleranz zu sein und dagegen etwas zu unternehmen.

Also, geplant ist ein nettes Abendessen zu zweit, es gibt da ein kleines Lokal am Ortsrand, das mit guter Küche und Wohnzimmerathmosphäre wirbt. Wir bestellen einen Tisch für zwei, als wir hinkommen ist unser Tisch aber nicht im netten "Wohnzimmer" sondern in einem hell erleuchteten Nebenraum. Während die anderen Gäste also bei Kerzenlicht in romantischer Umgebung zu Abend essen, sitzen wir etwas abseits an einem recht grossen runden Tisch unter einer 100W Birne. Aber ok, kein Problem, wir sind da recht easy. Etwas später füllt sich der Extraraum, in dem auch noch eine kleine Theke ist, und es setzen sich – selbstverständlich ohne zu fragen – Gäste zu uns an unseren Tisch. Wir merken, aus dem Abendessen zu zweit wird wohl nichts mehr. Alles immer noch einigermassen okay. Etwas später, die Hauptspeise ist gerade eingestellt worden, beginnen unsere Tischgenossen – natürlich ebenso ohne zu fragen – zu rauchen. Wir bitten höflich darum, zuzuwarten bis wir mit dem Essen fertig sind. Das hätten wir nicht tun sollen, denn mit dieser Frage ändert sich die Stimmung dramatisch.

Was wir nicht wussten, aber gleich zu hören bekamen: Wir wurden von der Wirtin offenbar an den Einheimischentisch gesetzt. Und so wird unsere Bitte gleich mit einem "Na oba sicher net" beantwortet. Wir schauen etwas verdutzt, ähm, wiederholen die Frage nochmals und die Situation eskaliert augenblicklich, denn die rauchende Dame und ihr Partner lassen ansatzlos eine Schimpfkanonade auf uns los. In den nächsten 3 Minuten hören wir Sätze wie "Des is unser Tisch, dass des amoi kloa ist, und do loss i mir nix sagen von Dir" – "Wann Eich wos net passt dann fahrts ham wo’s herkommen seids" – "Ihr soitats froh sein, dass überhaupt do essen dirfts" – "Do herin haben soiche wie Du nix verloren, ihr gherts do net her" – "Mir woin do anständige Touristen haben, net soiche Raunzer wie Eich". Anfängliche Kalmierungsversuche fruchten nichts, im Gegenteil, recht rasch gibt mir der eine Tischgenosse zu verstehen, dass er die weitere Diskussion mit mir gerne draussen vor der Tür fortsetzen möchte – wohl etwas weniger wortreich. Weil "Soiche wie Eich brauch ma do net, schauts dass weiter kommts"

Keiner der anderen Gäste zeigt Interesse daran, uns beizustehen. Auch die Wirtin, die uns ja diesen Sitzplatz zugewiesen hat, zeigt ausser etwas hilflosen Kommentaren kein Interesse mehr an uns. Wir zahlen und verlassen fluchtartig das Lokal. Wie das Essen war? Keine Ahnung, ich erinnere mich nur an die Wut im Bauch. Nicht wegen des Rauchens. Sondern über die unverschämten und verletzten Sätze, die da fallen.

Für uns war dieses Schauspiel wohl nur die eigentlich unglaubliche Ausnahme. Aber Immigranten hören solche Sätze nicht nur ausnahmsweise, sondern ständig. Ich erlebe solche Vorkommnisse vielleicht nur einmal, aber Zuwanderer erleben das täglich. Ich kann mir in solchen Situationen wortgewandt helfen oder muss zumindest keine Furcht vor schwerwiegenden Folgen haben, aber Asylwerber oder Menschen mit Immigrationshintergrund haben diese Sicherheit nicht. Ich bin der Meinung, solche Aussagen sind keine Frage schlechten Benehmens, sondern eine Haltungsfrage, eine Frage des Anstands und des Menschenbildes, das man in sich trägt.

Und darum bin ich GEGEN eine eine menschenfeindliche Integrationspolitik, egal ob sie ganz offensichtlich aggressiv ist (das ist zumindest noch ehrlich), oder, wie aktuell zu erleben, unter dem Deckmantel christlich-sozialer Aussagen süssholzraspelnd (also zusätzlich auch noch feig). Und ich bin FÜR Institutionen, die denen helfen, die in solcher Lage hilflos sind. Das Wiener Integrationshaus bietet seit 1993 Flüchtlingen und Asylwerbern eine menschenwürdige Übergangs-Unterkunft und Betreuung, wobei durch zahlreiche Rahmenprojekte die Nachbarschaft miteinbezogen wird. Damit Sätze wie "Soiche wie Euch brauch ma do net" keine Zukunft haben, egal wer sie hören bekommt.

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