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Die Karawane zieht weiter – Europa braucht einen Bildungsschub

Innerhalb der letzten 10 Jahre ist der Anteil der G8 (Deutschland, USA, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien sowie Russland) am welten BIP um 14% gesunken, der der großen Schwellenländer (China, Indien, Brasilien, Südafrika und Mexiko) ist im gleichen Zeitraum um 30% gestiegen.

Dies ist einerseits dem rasanten Aufholen dieser Länder geschuldet, andererseits aber auch dem reinen Maßstab der Bevölkerungszahlen: So hat China beispielsweise eine immer noch geringere Mobilfunkpenetration als Algerien und liegt damit unter dem weltweiten Durchschnitt, dennoch ist es das Land mit der größten Anzahl an bestehenden Mobilfunkkunden.

Und während in den letzten Jahren zu beobachten war, dass aus Westeuropa niedrigqualifizierte Jobs in sogenannte Billiglohnländer im Osten abwandern, so sind zunehmend auch höherqualifizierte Aufgaben davon betroffen. Nach Indien ausgelagte Callcenter oder Software-Entwicklung in Osteuropa sind noch die bekanntesten Beispiele. Und auch hier trägt der Größenmaßstab zum Trend bei: 25% der Jugendlichen Chinas (beispielsweise die 25% bestausgebildesten) repräsentieren mehr Menschen, als Deutschland, Österreich und die Schweiz insgesamt Einwohner hat.

Noch werden die in China hergestellten Autos als Plagiate belächelt und ihre verheerenden Crashtest-Ergebnisse in der Presse zitiert. Es gibt aber schon allein aufgrund der Bevölkerungszahlen und wirtschaftlichen Entwicklung keinen Grund davon auszugehen, dass die Schwellenländer auf Dauer nur günstige Werkbänke für die High-Tech-Unternehmen in Europa sein werden – vielmehr ist davon auszugehen, dass in Bälde die Entwicklung umkehren kann und hochqualitative, innovative Produkte aus China, Indien oder Brasilien auch auf den europäischen Markt drängen.

Ein wichtiger Faktor sind dabei auch die mit dem Aufstieg einhergehenden sozialökonomische Entwicklungen in diesen Staaten, die es auch für die Schwellenländer notwendig machen, in der Wertschöpfungskette nach oben zu klettern: Wenn auch auf unverhältnismäßig niedrigem Niveau, die Lohnkosten steigen, Arbeitsmarktreformen weiten Ansprüche aus, Umweltstandards werden anziehen usw.

Im Ergebnis weichen bereits jetzt chinesische Unternehmen mit ihren Produktionsstätten nach Vietnam oder Afrika aus, wo die Arbeitskosten noch geringer sind. Die Karawane zieht weiter.

Für Österreich und Europa sollte das ein Warnsignal sein, rasch und nachhaltig auf Bildung und Innovation zu setzen. Wenn wir nicht mit nachhaltig sinkenden Lohnniveaus konfrontiert sein wollen, steigt automatisch die Notwendigkeit nach Hochqualifikation. Denn nicht nur Beschäftigbarkeit sondern vor allem auch Wohlstand sind direkt mit dem Bildungsniveau gekoppelt: Im Jahr 2004 waren 75 Millionen EU Bürger geringqualifiziert, das entspricht etwa 32% der Arbeitskräfte. Die EU geht jedoch davon aus, dass schon im Jahr 2010 lediglich 15% der neuen Arbeitsplätze für geringqualifizierte Bürger geeignet sein werden.

Ganz klare Konsequenz: Europa braucht dringend einen massiven Schub in Richtung Bildung und Innovation – und keine Ausreden mehr, wie PISA nun zu interpretieren sei und dass ohnehin alles soweit in Ordnung ist.

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Piratensender

Blogger werden manchmal auch als als Citizen Journalists bezeichnet, in Abgrenzung zu den öffentlich-rechtlichen oder zumindest von Profi-Journalisten erzeugten Nachrichten.

Ich habe deshalb in einem Führungskräfte-Workshop zum Thema Web 2.0 unlängst Blogs als Piratensender im Internet bezeichnet und damit das Verhältnis gemeint, das die "hochoffizielle" Unternehmenskommunikation (bspw. Presseaussendung oder Prospekt) zu der über Blogs möglichen direkten Sprache der Mitarbeiter haben kann.

Das muß aber gar nicht auf Unternehmensthemen beschränkt bleiben, und vor allem nicht auf Blogs. Die aktuelle Fußball-Europameisterschaft bietet ein Lehrstück dazu, wie vielfältig, interkativ und praxisnahe Zweinuller-Kommunikation möglich ist (bzw. wäre). Hannes Treichl hat das ganz ausgezeichnet zusammengestellt: http://www.hannestreichl.com/internet-marketing-web20-em200/

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