Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Name your Porsche

Ist noch nicht lange her, da gab es Autos in allen Farben, solange sie nur schwarz waren (zumindest hält sich zum berühmten ersten Fließbandauto Ford Model T diese Schnurre). Im Lauf der Zeit sind dann doch ein paar Auswahlmöglichkeiten im Bestellprozeß dazugekommen, die Fertigungsmethoden und Marketinginstrumente wurden ausgefeilter – der Wettbewerb machte es möglich und nötig.

Die letzte Stufe dieses Prozesses ist das völlig individuelle Maßschneidern auf den einzelnen Kunden: Aus Mass Customization wird Individualisation.

Bei Autoherstellern ist das ab Werk meist noch nicht ganz der Fall, daher hat sich eine rege Zulieferindustrie etabliert, die nicht nur Spoiler anbietet, sondern auch dazu beiträgt, seinem Auto den ganz persönlichen Touch zu verleihen. Die holländische Firma Name-Your-Porsche ermöglicht dies nun auch in der gehobenen Fahrzeugkategorie.

Also endlich Schluß mit dem langweiligen 911- oder Cayene-Logo, man ist ja schließlich keine Nummer und hat auch mit Pfeffer nix am Hut. Statt dessen ein ganz individueller Text am Heck des Vehikels, Schriftart und Aufmachung passen dabei ganz exakt zum Porsche Design.

Und wem nur "Bruce" einfällt, dem hilft der Hersteller mit nützlichen Anregungen aus:

"Alles ist möglich: „made in germany”, „back off“, „follow me”, “have a nice day”, […] Aber auch ein subtiler Verweis auf Ihre Segelyacht (Goulette), Ihre Lieblingsflintenmarke (Remington) oder Ihr liebstes Musikinstrument (Fender) ist eine Möglichkeit, einen Porsche als den Ihrigen zu kennzeichnen. […] Oder möchten Sie lieber zeigen, wo Sie wohnen? Auf dem Heck kann jeder Ort stehen: Vegas, Amsterdam, Nizza… Oder natürlich auch Ihr liebster Urlaubsort: Marbella, Palm Beach, St. Moritz, Dubai…"

Das vermutlich zutreffendste Bild ist aber wohl dieses – wobei man es in seiner schonungslosen Offenheit vermutlich nicht so oft sehen wird. Ebenso selten wird man einen wirklich mutigen Porsche Fahrer sehen, der die stilvolle Provokation wählt ("Eure Armut kotzt mich an" oder "Mehr CO2 als ein Lastwagen")…

Das ganze kostet € 375,- pro 5 Buchstaben, ohne den dazugehörigen Porsche natürlich ;-)  Wem das zu teuer ist, dem bieten sich auch andere Möglichkeiten der Individualisierung seiner Lieblingsprodukte, wie bspw. M&Ms mit persönlichem Aufdruck:

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Sie nennen es Arbeit: Das Digitale Proletariat?

Vor knapp zwei Jahren erschienen und hinlänglich bekannt geworden, singt das Buch "Wir nennen es Arbeit" das Hohelied der sogenannten digitalen Bohème:

"Sie verzichten dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielwiese, sondern Einkommens- und Lebensader: die digitale Boheme. Ihre Ideen erreichen – anders als bei der früheren Boheme – vor allem über das Web ein großes Publikum und finanzieren sich damit. Ein zeitgemäßer Lebensstil, der sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt."

Sicher ist vieles davon zutreffend, auch ausserhalb der Web-2.0-Berühmtheiten verdient so mancher im und durch das Web sein Einkommen. Und natürlich hat das Web (egal in welcher Version) eine Vielzahl von Kontakt-, Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten eröffnet, die Unternehmen und Selbständigen gleichermaßen fantastische Businessmöglichkeiten eröffnet haben. Ich wäre der allerletzte, der das bestreitet und es wäre auch unfair, das genannte Buch nur auf diesen Absatz zu reduzieren.

Tatsächlich besteht die EPU-(Ein-Personen-Unternehmen)-Szene überwiegend aus dem Bereich IT und Beratung (siehe hier). Im Sinne einer differenzierten Betrachtung liegt mir aber auch daran, ein Schlaglicht auf die Kehrseite zu legen. Denn natürlich steckt in dem positiven Bild, das da skizziert wird auch ein gerüttelt Maß an Zwangsoptimismus. 

Gerade für EPUs tun sich in der Realität eine Vielzahl von Herausforderungen auf: Oftmals geringe Streuung von Kunden (insbesondere, wenn die Selbständigkeit aus einem vormals angestellten Dienstverhältnis entsprungen ist – Stichwort Outsourcing/Outtasking), mangelnde Skalierbarkeit durch eingeschränkte Bandbreite, gefordertes breites Kompetenzfeld, geringe Absicherung gegen Betriebsausfälle aller Art, u.v.m.

Das alles ist vorhersehbar, kann als spannend empfunden werden und tatsächlich lohnend sein. Die wahre Herausforderung liegt allerdings darin, zu verhindern, dass aus der digitalen Bohème das digitale Proletariat wird -  dass also größere Unternehmen nicht Kraft ihrer Marktmacht aus der präkeren Situation freier Einzelunternehmer überdimensionalen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

Ein Beispiel dafür sind meiner Meinung nach die sogenannten HITs auf Amazon Mechanical Turk. Da werden Stundenlöhne im Cents-Bereich geboten – und zwar nahezu ausschließlich, unabhängig davon, ob es sich um schlichte Tasks handelt oder um anspruchsolle Aufgaben wie das Recherchieren und Verfassen eines Artikels.

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Man könnte natürlich sagen, dass hier nur eine andere Form von Handel angeboten wird (Zeit gegen Geld) und somit Mechnical Turk die logische Line Extension aus dem Amazon Business Modell ist. Man könnte aber auch die Meinung vertreten, dass das eine neue Form des Arbeitsamtes ist – das Arbeitsamt des digitalen Proletariats.

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Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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