Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Sie nennen es Arbeit: Das Digitale Proletariat?

Vor knapp zwei Jahren erschienen und hinlänglich bekannt geworden, singt das Buch "Wir nennen es Arbeit" das Hohelied der sogenannten digitalen Bohème:

"Sie verzichten dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielwiese, sondern Einkommens- und Lebensader: die digitale Boheme. Ihre Ideen erreichen – anders als bei der früheren Boheme – vor allem über das Web ein großes Publikum und finanzieren sich damit. Ein zeitgemäßer Lebensstil, der sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt."

Sicher ist vieles davon zutreffend, auch ausserhalb der Web-2.0-Berühmtheiten verdient so mancher im und durch das Web sein Einkommen. Und natürlich hat das Web (egal in welcher Version) eine Vielzahl von Kontakt-, Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten eröffnet, die Unternehmen und Selbständigen gleichermaßen fantastische Businessmöglichkeiten eröffnet haben. Ich wäre der allerletzte, der das bestreitet und es wäre auch unfair, das genannte Buch nur auf diesen Absatz zu reduzieren.

Tatsächlich besteht die EPU-(Ein-Personen-Unternehmen)-Szene überwiegend aus dem Bereich IT und Beratung (siehe hier). Im Sinne einer differenzierten Betrachtung liegt mir aber auch daran, ein Schlaglicht auf die Kehrseite zu legen. Denn natürlich steckt in dem positiven Bild, das da skizziert wird auch ein gerüttelt Maß an Zwangsoptimismus. 

Gerade für EPUs tun sich in der Realität eine Vielzahl von Herausforderungen auf: Oftmals geringe Streuung von Kunden (insbesondere, wenn die Selbständigkeit aus einem vormals angestellten Dienstverhältnis entsprungen ist – Stichwort Outsourcing/Outtasking), mangelnde Skalierbarkeit durch eingeschränkte Bandbreite, gefordertes breites Kompetenzfeld, geringe Absicherung gegen Betriebsausfälle aller Art, u.v.m.

Das alles ist vorhersehbar, kann als spannend empfunden werden und tatsächlich lohnend sein. Die wahre Herausforderung liegt allerdings darin, zu verhindern, dass aus der digitalen Bohème das digitale Proletariat wird -  dass also größere Unternehmen nicht Kraft ihrer Marktmacht aus der präkeren Situation freier Einzelunternehmer überdimensionalen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

Ein Beispiel dafür sind meiner Meinung nach die sogenannten HITs auf Amazon Mechanical Turk. Da werden Stundenlöhne im Cents-Bereich geboten – und zwar nahezu ausschließlich, unabhängig davon, ob es sich um schlichte Tasks handelt oder um anspruchsolle Aufgaben wie das Recherchieren und Verfassen eines Artikels.

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Man könnte natürlich sagen, dass hier nur eine andere Form von Handel angeboten wird (Zeit gegen Geld) und somit Mechnical Turk die logische Line Extension aus dem Amazon Business Modell ist. Man könnte aber auch die Meinung vertreten, dass das eine neue Form des Arbeitsamtes ist – das Arbeitsamt des digitalen Proletariats.

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Einsortiert unter:Future Of Work, IT & Social Media

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