Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Zukunft und Verantwortung

imageIm Lichte meines letzten Blogbeitrages über Herkunft und Zukunft durfte ich im österreichischen Wirtschaftsmagazin FORMAT eine aktuelle Glosse verfassen – hier nachzulesen.

Das freut mich natürlich sehr, und fügt sich ausgezeichnet in die Reihe der recht umfangreichen Medienreaktionen und Berichte über meine Arbeit ein!

 

Doch so wichtig das von mir in dem FORMAT Kommentar angerissene Thema der Chancengleichheit ist, der aktuell entscheidende Artikel im findet sich auf Seite 26: Unter der Headline "Einstellungssache" hat FORMAT mit österr. Unternehmen gesprochen, die gerade jetzt in der Krise Mitarbeiter einstellen, und zwar nicht zu knapp: 10.000 neue Arbeitsplätze werden da geschaffen.

 Formatjoblinks

Eine wirklich wohltuende Ausnahme im Strudel der Krisenmeldungen der letzten Zeit, die fast nur von sich gegenseitig übertrumpfenden Mitarbeiter-Abbau-Maßnahmen geprägt ist.

Natürlich ist die aktuelle Konjunktursituation eine Herausforderung, und natürlich geht es darum, eine effiziente Kostenstruktur vorzuweisen. Gerade bei den Beschäftigten ist die Bremsspur üblicherweise relativ lang – während Investitionen und Budgets für Marketing und Training sehr rasch reduziert werden können (auch wenn das eine zweifelhafte Strategie ist), so sind doch meistens Personalmaßnahmen nicht kurzfristig wirksam. Glücklicherweise inzwischen auch nicht mehr beim Aktienkurs, Beispiele der letzten Tage haben gezeigt, dass die Börse Stellenabbau endlich nicht mehr als positives Signal wahrnimmt, sondern als Zeichen der Angeschlagenheit eines Unternehmens.

Es ist doch faszinierend, dass vom Konsumenten geradezu gefordert wird, auch in angespannten Zeiten weiterhin konsumfreudig zu bleiben (und das sogar noch mit aberwitzigen Maßnahmen wie bspw. Verschrottungsprämie zu fördern versucht) – dass aber gleichzeitig Unternehmen nicht bereit sind, ins Risiko zu gehen. Ich frage mich: Wie erklärt man das dem kleinen Angestellten, den man "krisenbedingt" abbauen "muss", während man weiterhin Milliarden-Gewinne (im Quartal!) macht und ausreichend Kapital für Investitionen besitzt – alles keine fiktiven Beispiele, sondern ganz real zu beobachten in den letzten Wochen an der Börse.

Im Übrigen ist derartiges Verhalten auch ökonomisch fragwürdig: Günstige Einkaufspreise, vorteilhafte Konditionen, ausreichende Kapazitäten sind jetzt vorhanden! Wie Warren Buffet es sinngemäß gesagt hat: Sei vorsichtig, wenn alle anderen mutig sind, aber sei mutig, wenn alle anderen vorsichtig sind – in der Krise investieren, nicht de-investieren! Und nach all den Horrormeldungen der letzten Monate scheint die Zeit gekommen, dass die Blue Chips zeigen, dass es sehr wohl ein Morgen gibt: Durch kraftvolle, vertrauensbildende Maßnahmen, durch Investitionen, durch mutige Zeichen.

Unternehmerisches Handeln heisst meiner Meinung nach verantwortungsbewußtes Handeln. Die FORMAT Story "Einstellungssache" macht Hoffnung: Es ist schön zu sehen, dass es derartiges Handeln in Österreich gibt und dass ein Wirtschaftsmagazin in einer großen Geschichte darauf aufmerksam macht.

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Zukunft statt Herkunft

Barack Obama ist der Beweis dafür, dass in den USA auch heute noch sehr ungewöhnliche Karrieren möglich sind: Das Kind eines afrikanischer Einwanderers, von seiner Mutter im Wesentlichen alleinerzogen aufgewachsen, schafft es an die Spitze des Staates. In dieser Disziplin ist er vergleichbar mit dem Gouverneur von Kalifornien – als Staat betrachtet immerhin die 8.-größte Wirtschaftsmacht der Welt.

Und Österreich? Wie hoch wären die Chancen für einen Migranten, Bodybuilder und Darsteller in B-Movies Landeshauptmann von, sagen wir Oberösterreich, zu werden? Wie leicht würde es bei uns einem Kind mit Obama-Biographie fallen, Kanzler oder Bundespräsident zu werden?

Die Antworten auf diese Fragen stehen fest und sind x-fach mit Daten und Fakten untermauert: Wie in kaum einem anderen Land hat in Österreich der familiäre Hintergrund extrem starke Effekte auf Bildungslaufbahn und Karriere.

Ein Beispiel zur Untermauerung:

Um mit 71%iger Sicherheit vorhersagen zu können, ob ein Kind die Matura machen wird, brauche ich Kenntnis über genau sieben Parameter: 1. Haushalts-Einkommen, 2. Bildungsgrad der Eltern, 3. Migrationshintergrund, 4. Geschwisterzahl, 5. Haushaltsform, 6. Einwohnerzahl des Heimatortes und 7. Geschlecht des Kindes.

Fällt etwas auf? Kein Wort über Talente, Vorlieben, Stärken, Neigungen des Kindes. Statt dessen: Herkunft bestimmt Zukunft.

Provokant gesagt könnte man auf den ganzen Prüfungs- und Zeugnis-Zinnober verzichten, und statt dessen gleich von Anfang an auf die Rückseite der Geburtsurkunde des Kindes draufstempeln: Matura bestanden ja/nein. Die Fehlerquote wäre 29% und man würde sich eine Menge Aufwand sparen.

Das Erschreckende ist: Nicht nur die Tatsache steht fest und ist wiederholt nachgewiesen worden, auch die Gründe dafür und wie man sie beheben könnte, sind hinlänglich bekannt (schlagen Sie einfach im Kapitel "Grenzen überwinden" in meiner Bildungsstudie nach). 

Damit in Österreich eine Obama-Karriere möglich ist, wäre das Überwinden kleinkarierter Partikularinteressen einzelner Gruppen notwendig, zugunsten eines übergreifenden Gesamtbeschlusses: "Wir wollen auch weiterhin ein wohlhabendes Land bleiben, darum setzen wir energische Schritte im Bildungsbereich." – Damit es wieder um Zukunft geht, statt um Herkunft.

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Lebenslange Bildung bedeutet rechtzeitige Bildung

Europa verfolgt das Ziel, der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsraum der Welt zu werden – ein Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu vereinen. In absehbarer Zeit wird der Anteil der über 45-Jährigen an der Erwerbsbevölkerung von aktuell 28% auf über 40% steigen. Die Notwendigkeit, den Blick nicht nur auf die Ausbildung der Jugendlichen, sondern auch auf die permanente Weiterbildung während des Lebens zu richten, ist also offensichtlich.

Für viele Menschen ist daher auch das Angebot an entsprechenden Bildungsmaßnahmen sowie die Möglichkeit, darauf zurückzugreifen, offensichtlich. Doch was für die einen völlig selbstverständlich ist, nämlich beispielsweise im Rahmen der Personalentwicklungsmaßnahmen des Unternehmens, in dem sie tätig sind, auch Zugriff auf Trainings zu haben, ist ausgerechnet für jene Menschen, die die den höchsten Bedarf an Fort- und Weiterbildung hätten, eben nicht selbstverständlich: Grundsätzlich schlecht ausgebildete und in unqualifizierten Jobs tätige Menschen haben üblicherweise die geringsten Chancen, auf Schulungsmaßnahmen zurückgreifen zu können, die vom eigenen Unternehmen angeboten werden.

Dabei ist die Tatsache unbestritten, dass es Sicherung der Erwerbschancen ohne gleichzeitige Verbesserung der Qualifikation gibt. Denn während derzeit etwa ein Drittel der Arbeitskräfte in der Europäischen Union als gering qualifiziert gelten, werden nach übereinstimmenden Prognosen bereits im kommenden Jahr lediglich die Hälfte der neuen Arbeitsplätze in Europa für geringqualifizierte Bürger geeignet sein. Die Entwicklung könnte also dramatischer nicht sein und sie hat nachhaltigen Einfluss auf den beruflichen Erfolg für der Bürger und somit insgesamt für den Wohlstand in Europa.

Die Bereitschaft des Einzelnen, während seines gesamten Lebens fortwährend dazuzulernen, reicht nicht aus – es braucht auch das dazupassende Angebot, neu strukturierte Bildungsservices und auch neu gedachte Finanzierungsmodelle. Denn eine umfassende Perspektive auf lebensbegleitendes Lernen bedeutet auch, dass sich die Finanzierungsverantwortung des Staates nicht nach dem Alter oder Beschäftigungsstatus der Lernenden, sondern nach der Art des angestrebten Bildungsabschlusses bzw. nach dem Bedarf des Einzelnen richten muss. Und zwar bereits während der Beschäftigung, und nicht erst wenn der Hut bereits brennt.

So wertvoll die vom AMS angebotenen Schulungen für Arbeitslose sein mögen, sie kommen doch jedenfalls zu spät. Soll der Bildungspfad lebenslang ausgelegt sein, dann ist eine Orientierung am Lernbedarf bereits während der Beschäftigung wesentlich – somit entstehen neue Verantwortungen für Unternehmen und öffentliche Hand.

PS: Dieser Text erscheint im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt.

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Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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