Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Minus 50% für Fachhochschulen

Stellen Sie sich vor, Sie hätten seit 15 Jahren keine Inflationsanpassung bekommen und trotz hervorragender Leistungsbeurteilung und deutlich gestiegenen Aufgaben wäre Ihr Gehalt 1993 schlichtweg eingefroren und seither nie mehr angepasst worden. Unvorstellbar? 

Den österreichischen Fachhochschulen ist genau das widerfahren: Der FH-Bereich bekommt heute nicht mehr Bundesförderung pro Studienplatz als 1993.

Auch die von der neuen Bundesregierung beschlossene Budgeterhöhung im Hochschulbereich bringt keine Erleichterung: ÖVP Wissenschaftsminister Hahn hat erst diese Woche klargestellt, dass das 1.6 Mrd Paket ausschließlich Universitäten zugute kommen soll. Im Herbst letzten Jahres wurde (unmittelbar vor der Wahl) eine Erhöhung der Studienplatzförderung um 34% beschlossen – heute (nach der Wahl) ist davon keine Rede mehr. Statt dessen hat der Minister angeboten, die Studienplatzfinanzierung um 13,7 Prozent zu erhöhen. Das käme einem inflationsbedingten Wertverlust von zirka 50 Prozent gleich.

Soviel also zum Thema Bildungsoffensive. Erhard Busek hat in seiner Rolle als Rektor der FH Salzburg dazu deutlich Stellung bezogen.

Während nämlich in öffentlichen Aussagen die FHs gerne und immer wieder als Erfolgsstory positioniert werden, und über die hervorragenden Absolventenzahlen (seit 2001 mehr als verdoppelt), die Industrienähe der Ausbildung und den unmittelbar positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt gesprochen wird, herrscht in der Praxis finanzielle Perspektivenlosigkeit: Der Bund hungert seine erfolgreichen Bildungseinrichtungen buchstäblich aus.

Die Fachhochschul-Konferenz hat daher diese Woche in einem offenen Brief auf die bedrohliche Situation aufmerksam gemacht:

Sehr geehrte Mitglieder der österreichischen Bundesregierung!

Die Fachhochschulen haben den gesetzlichen Auftrag, eine wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Hochschulausbildung anzubieten. Bedauerlicherweise wird es uns zunehmend schwer gemacht, unsere hohen Qualitätsstandards in Lehre und Forschung zu halten.

Wir, die österreichischen Fachhochschulen und ihre Vertreterin, die Fachhochschul-Konferenz, geben seit Jahren
unser Bestes, um diesen Auftrag optimal zu erfüllen. Als regional verankerte Bildungsanbieter stützen wir die heimische Wirtschaft, betreiben Forschung für und gemeinsam mit Klein- und Mittelbetrieben und ermöglichen unter anderem hochqualitative berufsbegleitende Studien, die sich am Bedarf der Wirtschaft orientieren.
Seit Gründung der Fachhochschulen im Jahr 1993 hat jedoch die Republik die Förderungen für die Studienplätze
nie erhöht. Alleine durch die Inflation haben wir real einen fast 50%igen Wertverlust der Studienplatzfinanzierung hinnehmen müssen. Die finanziellen Anforderungen an die Fachhochschulen haben sich im Gegensatz dazu kontinuierlich erhöht – ein Beispiel dafür ist die bereits vollzogene Umstellung auf Bachelor- und Masterstudien.

Vor den Wahlen haben SPÖ, FPÖ und die Grünen durch die Annahme eines Entschließungsantrages vom
24. September 2008 diese Situation klar erkannt: Um den gesetzlichen Auftrag weiterhin optimal erfüllen zu können, muss die Finanzierung der Fachhochschulen gesichert sein. Der Beitrag des Bundes sollte daher um 34% erhöht werden. Die Umsetzung dieses Beschlusses ist bis heute ausständig.

Der Spagat zwischen permanentem Sparkurs und Topausbildung ist für die Fachhochschulen nicht mehr zu schaffen! Gerade in Zeiten der Stagnation ist es unverantwortlich, einen wesentlichen Eckpfeiler der regionalen
Wirtschaft finanziell auszuhungern!

In den nächsten Wochen wird das Wissenschaftsbudget der kommenden Jahre beschlossen.

Wir fordern daher:
– die 34%ige Erhöhung der Studienplatzförderung ohne einschränkende Zusatzbedingungen
– einen flankierenden Entwicklungs- und Finanzierungsplan, der das weitere notwendige Wachstum des
Fachhochschul-Sektors garantiert.

Wir appellieren an Sie, unser Anliegen zu unterstützen und mit uns in Dialog zu treten.
Hochachtungsvoll

Prof. Mag. Werner Jungwirth, Präsident der FHK
Mag. Raimund Ribitsch, 1.Vize-Präsident der FHK
Prof.(FH) Dr.DI Fritz Schmöllebeck, 2.Vize-Präsident der FHK

Ich sage es gerne und immer wieder: Dass sich Investition in Bildung rechnet, ist zigfach belegt, durch nationale und internationale Experten, durch konkrete Beispiele aus anderen Ländern, durch weltweite Erfahrungen. Eigentlich sollte daran kein Zweifel herrschen – doch die österr. Regierung sieht das seit inzwischen 15 Jahren offenbar anders…

Advertisements

Einsortiert unter:Bildung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Impressum & Kontakt

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
kontakt @ reflections.at

Reflections Research & Consulting
%d Bloggern gefällt das: