Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Streik: Lehrer wollen nicht mehr arbeiten

Dieser Tage hat in den USA Präsident Obama in seiner Rede vor dem Kongress eindeutig Bildung als zentrale Priorität seiner Regierung dargestellt und dies ausführlich begründet. So weit sind wir in Österreich noch nicht, aber immerhin haben die Bereiche Bildung und Wissenschaft heuer trotz allgemein krisenbedingtem Sparbudget sogar mehr Geld bekommen. Nach österreichischem Maßstab kann das bereits als weitsichtig gelten.

Doch wir haben Nachholbedarf und darum reicht das Geld trotzdem nicht für alle Vorhaben, die im Schulbereich richtigerweise auf der Agenda stehen – kleinere Klassen, bessere Tagesbetreuung, Kleingruppen- und Doppellehrerunterricht, Sprachförderung. Daher fordert die Unterrichtsministerin auch einen Beitrag der Lehrer ein.

Die Reaktion läßt nicht lange auf sich warten: Die Lehrer steigen auf die Barrikaden. Doch hier besteht akute Abrutschgefahr.

Denn solange dienstrechtliche Besonderheiten wie etwa die vier unterrichtsfreien Monate pro Jahr davon unberührt bleiben, solange österreichische Lehrer im Vergleich mit ihren Kollegen in anderen Ländern im Schnitt um 16% weniger arbeiten aber um 13% mehr verdienen, kann wohl kaum von einem "Affront" gegen Lehrer gesprochen werden.

Tatsache ist, dass sich die hochgradig veränderungsresistenten Gewerkschaften reflexartig einer Diskussion entziehen und stattdessen mit billiger Polemik agieren ("Entweder Schmied kommt zur Besinnung und nimmt das zurück, oder…" bzw. "sie impliziert, dass sie 60.000 faule Hunde als Lehrer beschäftigt").

Die Medien greifen das dankbar auf – und es kann als deutliches Zeichen gelten, wenn sogar die Tageszeitung "Die Presse" leitartikelt: "Lehrer, arbeitet mehr."

image

Einmal mehr zeigt sich, dass Lehrer etwas besseres verdient hätten, als diese sogenannte Personalvertretung. Denn davon, dass Lehrer im Konferenzzimmer bestenfalls einen 1 m2 großen Arbeitsplatz haben, dass sie selten oder nie jene Unterstützungs- und Ausbildungsmaßnahmen erhalten, die für andere Wissensarbeiter ganz selbstverständlich sind, dass sie überwiegend als Einzelkämpfer zu agieren haben statt in Teams arbeiten zu können, dass Ihnen bei der engagierten Gestaltung von kreativen Unterrichtsmaßnahmen eher Steine in den Weg gelegt, als Hindernisse beseitigt werden, davon spricht die Gewerkschaft nicht. Sie spricht lieber von Arbeitszeiten.

Und damit ist völlig klar: Was Lehrer brauchen, ist keine Personalvertretung sondern eine Personalentwicklungsabteilung, so wie sie in der Industrie völlig selbtverständlich ist. Der Blick muss in die Zukunft gerichtet sein, ersthafte Personalvertreter haben die Frage stellen, wie das Potential und das Engagement der Lehrer bestmöglich gefördert werden kann, wie Lehrer unterstützt werden können. In der Studie "Zukunft der Bildung" wird dies explizit ausgeführt.

Doch anstatt die Gelegenheit am Schopf zu packen und darauf hinzuweisen, dass Lehrer vielfach grauenhafte Arbeitsbedingungen vorfinden, und dass man konstruktive Vorschläge hätte, das – übrigens im Interesse der Hauptpersonen im Bildungssektor: der Kinder – zu verbessern, kommen vom Landesschulpräsidenten hilfreiche Aussagen wie: "Das wird sicher nicht möglich sein".

Lehrer wehrt Euch – gegen diese Gewerkschaft.

Advertisements

Einsortiert unter:Bildung

2 Responses

  1. Kelborn sagt:

    Hui, da stimmt aber viel nicht!
    keine Ausbildungsmaßnahmen? Diese sind sehr gut und kostenlos. Leider werden sie nicht wahrgenommen!
    „…überwiegend als Einzelkämpfer zu agieren haben statt in Teams arbeiten zu können…“ Ist auch totaler Quatsch. In der NMS stehen Lehrerteams in der Klasse und unterrichten die Hauptfächer. Die Zusammenarbeit in den anderen Fächer funktioniert (je nach Personen) mal besser mal weniger toll. Das ist aber normal. Wenn die Rahmenbedingungen passen und wenig Druck auf den Personen lastet, arbeitet der Physiklehrer gerne mal mit dem Geo-Lehrer zusammen um z.B. das aktuelle Japan-Thema zu bearbeiten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Impressum & Kontakt

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
kontakt @ reflections.at

Reflections Research & Consulting
%d Bloggern gefällt das: