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Lehrer wehrt Euch gegen diese Gewerkschaft: 10 Punkte-Plan

Als Ergänzung zu meinem Blogeintrag zur aktuellen Arbeitszeitdiskussion österr. Lehrer, bzw. zur Rolle der Lehrergewerkschaft, hier ein von mir vorgeschlagender Forderungskatalog von 10 Punkten. Die konsequente Einführung dieser Maßnahmen (und budgetäre Unterfütterung zur langfristigen Aufrechterhaltung jenseits vereinzelter Schulversuche) würde das Arbeitsleben der Lehrer spürbar und wirkungsvoll entlasten und gleichzeitig die Bildungsqualität heben.

  1. Anrecht auf einen sinnvoll ausgestatten persönlichen Arbeitsplatz zum Vorbereiten / Nachbereiten – in der Schule
  2. Anspruch auf x Stunden professionelles Mentoring pro Monat
  3. Gelegenheit, regelmäßig am Unterricht anderer Lehrerkollegen teilzunehmen, um Erfahrungen und Best Practices auszutauschen.
  4. Anrecht, an externen Konferenzen und Kongressen teilzunehmen, um neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Pädagogik und auf ihrem jeweiligen Fachgebiet kennenzulernen
  5. Anrecht regelmäßiges ausführliches Feedback zu seiner Leistung zu erhalten
  6. Einrichtung von verpflichtender Elternpartizipation dergestalt, dass pro Kind mehr Zeit bleibt, als die obligatorischen 5 Minuten pro Semester am Elternsprechtag.
  7. Als neuer Lehrer Anrecht auf Begleitung durch einen erfahrenen Lehrer, der im ersten Jahr als Coach zur Seite gestellt wird, und ihm in der Klasse und abseits des Unterrichts hilft und ihn unterstützt
  8. Leistungsorientierte Anerkennung – gute Lehrer sollen sichtbar und erlebbar belohnt werden, auch finanziell.
  9. Lehrer, die nach dem Unterricht länger in der Schule bleiben wollen, um vorzubereiten, dürfen nicht vom Schulwart des Hauses verwiesen werden
  10. Verpflichtend Teamwork-orientierte Arbeit zur Erstellung von Vorbereitungen, um Erfahrungen zu nutzen und vorhandenes Unterrichtsmaterial wiederzuverwenden. Lernen von den Besten.

Lehrer sind Knowledge-Worker im besten Sinn des Wortes, noch dazu mit hohem und nachhaltigem Multiplikatoreffekt. Es ist doch erstaunlich, dass ihnen nicht die gleichen Instrumente und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wie einem durchschnittlichen Knowledge-Worker in der Wirtschaft.

Das wäre doch mal eine sinnvolle Gewerkschaftsaussage: "Liebe Frau Bundesminister, die Lehrer sind gerne bereit, ihren Beitrag zu leisten. Bevor wir aber über 2 Stunden mehr oder weniger verhandeln, lassen Sie uns doch bitte im Interesse der hochwertigen Bildung in Österreich einmal über die Arbeitsbedingungen der Lehrer verhandeln. Wir haben da eine kleine Liste mit 10 Punkten gemacht…"

Doch indem die Gewerkschaften auf Beton-Kurs schalten, zementieren Sie ihren Ruf als veränderungsresistente Nein-Sager ein und erweisen damit ihrer Klientel einen Bärendienst.

Und übrigens auch jenen, um die es am Ende des Tages wirklich geht: Den Kindern.

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5 Responses

  1. scarlettmiro sagt:

    Diesen 10-Punkte-Katalog aufstellen zu müssen ist ansich ein Unding. Welcher andere Arbeitgeber mit seinen Arbeitskräften so masslos unklug um, wie der Staat? Was könnten Lehrer leisten – denn willig, alles zu befolgen, sind die meisten -, wenn sie vom Staat wenigstens ein Mindestmaß an Unterstützung erhielten? Ja, erstaunlich, dass das nötig ist, auszusprechen.
    Auch solche Blogs sollten möglichst oft retweetet werden, damit möglichst immer wieder klar wird, was es zu sagen gilt.

    Gruß
    Scarlett

  2. Kelborn sagt:

    1,8, und 9 sind gute Punkte. Der Rest ist m.E. total nebensächlich! Solange ein Chemielehrer für 1800€ in der Klasse stehen soll und in der PW 3800€ bekommen würde, kann man keine großen Sprünge fordern.
    Zudem fehlt ein Punkt ganz besonders: die Abschaffung der Ungerechtigkeiten bei der Sozial- und Krankenversicherung sowie die Anreize für Junglehrer!

  3. Damos sagt:

    Alles berechtigte, wenn auch selbstredende Forderungen (dass man diese überhaupt aufstellen muss ist ein Afront).

    Eine weitere Forderung hätte ich noch: Wie allgemein bekannt, liegt ein vernünftiger „Span of Control“ einer Führungskraft bei 7-10. Der Direktor einer durchscnittlichen hat zw. 40 und 70 „Direct Reports“. Unter der Annhame, dass ein Lehrer zumindest ähnliche Bedürfnisse wie jeder andere Mitarbeiter einer Organisation haben, gilt es eine zweite Managementeben einzuführen. Was als Nebenprodukt auch positive Auswirkungen auf Servicequalität hätte.

  4. @Kelborn: Ich gehe d’accord, dass finanzielle Anreize bzw. der Ausgleich von Ungerechtigkeiten etwa in der Sozialversicherung wichtig sind. Aber: Es ist erwiesen, dass gute Lehrer nicht aufgrund von Verdienstmöglichkeiten diese Laufbahn wählen, sondern aus intrinsischer Motivation zum Lehrer-Sein an sich.

  5. @Damos: Ich habe die Aufbauorganisation bewußt ausgelassen, weil das eine sehr umfangreiche Darstellung rechtfertigen würde (als Einstieg in die Materie sei die Darstellung des österr. Bildungssystems aus Organisationssicht empfohlen: http://www.managementclub.at/document/Grafik_Schulverwaltung_ALT.jpg …).
    Span-of-Control ist eine der wichtigen Variablen, andere sind beispielsweise die tatsächlichen Steuerungsmöglichkeiten durch „das Management“ (=Direktion). Solange es kein gutes System gibt, in dem Leistung zielführend beurteilt wird und Konsequenzen haben kann, und solange sich Leiter ihre Mitarbeiter nicht (oder nur eingeschränkt) aussuchen können, führt sich die Führungsspanne ohnehin ad absurdum.

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