Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

“Österreich, das ist das Land, wo man sich die Zukunft der Arbeit anschauen kann. – Wenn das gelingt, dann haben wir viel erreicht.”

Die Computerwelt hat in ihrem traditionellen Jahresrückblick, dem Special 2009, eine Reihe von Entscheidungsträgern zum abgelaufenen Geschäftsjahr befragt, und nach ihrer Perspektive zum Standort Österreich. Einer der Befragten war auch ich, nachfolgend das Interview mit mir im O-Ton:

Computerwelt: Wie hat sich Ihr Unternehmen seit Ende letzten Jahres entwickelt?

Franz Kühmayer: Wir haben uns positiv entwickelt, konnten sowohl quantitativ zulegen, also im Ergebnis, als auch qualitativ wachsen, neue Themenfelder für uns erschließen.

Wir sind als Strategieberater mit den Schwerpunkten Visionsentwicklung und Zukunft der Arbeit angetreten und erleben, diese Themen sind am Punkt der Zeit, sind nachgefragt und wir können einen entscheidenden Beitrag leisten.

Ich stehe ja einem sehr jungen Unternehmen vor, und wenn während der Gründungsphase eine weltweite Wirtschaftskrise ausbricht, ist man natürlich besonders gefordert. Und dann ist es erfreulich zu sehen, wenn die Entscheidungen, die man trifft, überwiegend richtig sind. Und es ist schön zu sehen, wenn Kunden einem dann grade in diesen Zeiten die Treue halten, ihr Geschäft sogar ausbauen. Das empfinde ich als Zeichen der Wertschätzung für unsere Leistungen und unsere Qualität, aber auch dafür, wie wir Business machen: Mit Offenheit, Respekt und Handschlagqualität.

Ich bin mit der Entwicklung also durchaus zufrieden, vor allem, wenn man die aktuellen Rahmenbedingungen betrachtet.

Hatte die Finanzkrise negative – oder vielleicht sogar positive – Auswirkungen auf ihr Unternehmen? Welche?

Natürlich haben wir auch erlebt, dass Unternehmen den Sparstift ansetzen, ihre Budgets reduzieren, Projekte verschieben oder ganz streichen, und natürlich haben wir auch gespürt, dass Entscheidungen vorsichtiger und erst nach mehreren Iterationen getroffen werden.

Aber ich erlebe grade in den letzten Monaten auch, dass immer stärker erkannt wird, dass man ein Unternehmen nicht aus der Krise heraussparen kann. Da wird wieder öfter der Blick über die derzeitige Situation hinaus angehoben. Gerade bei unternehmerisch handelnden Führungskräften stehen dann recht bald die Themen Veränderungsbereitschaft, Organisationsdynamik, Innovationskraft auf der Agenda.

Und dabei entstehen ganz automatisch Fragestellungen wie „Woher soll unser Wachstum künftig kommen?“, „Wie verändert sich unsere Wertschöpfungskette?“ oder „Welche Arbeitsformen ergeben sich in der Zukunft, und wie fit sind wir da?“. Bei der Beantwortung dieser Fragen können wir helfen, das ist unser Kompetenzfeld.

Was sind Ihrer Ansicht nach in Ihrem Bereich derzeit die größten Herausforderungen in Österreich, die es zu bewältigen gilt?

Ich greife aus der Fülle an Themen jene drei heraus, die mir am Dringlichsten und Wichtigsten erscheinen: Erstens, Bildung. Zweitens, dem Strukturwandel in Österreich nachhaltig zu begegnen. Und drittens, Innovationsbereitschaft.

Im Bereich Bildung brauchen wir einen grundlegenden Perspektivenwandel, der weg von einer kleinteilig und parteipolitisch geführten Diskussion führt, und hin zu einem nationalen Schulterschluß. Österreich sollte sich zum Ziel setzen, Bildungsweltmeister zu werden, einer der international nachgefragten Top-Standorte für Schulen, Unis, Erwachsenenbildung. Gute Ideen, wie das gehen könnte, gibt es ausreichend, die haben wir vorgelegt, und die haben auch andere Experten präsentiert.

Zum zweiten, der Strukturwandel. Die Krise überlagert die sozioökonomischen Herausforderungen, in denen sich Europa und Österreich befinden. Wer glaubt, jetzt ist Krise und morgen ist dann alles wieder wie früher, der irrt sich: Wir sehen beispielsweise in unserem Kernthema, Zukunft der Arbeit, massive Veränderungen für Unternehmen, für Mitarbeiter, für Führungskräfte. In unseren Beratungsprojekten in diesem Bereich erleben wir ganz große Aha-Effekte bei unseren Kunden, hier gibt es also noch viel Handlungsbedarf.

Und drittens, Innovation. Österreich hat bislang ganz massiv von der Globalisierung und Internationalisierung profitiert, wenn wir aber nicht aufpassen, dann laufen wir Gefahr, dass sich der Trend umkehrt und wir die verlängerte Werkbank werden. Der einzig sinnvolle Ausweg ist Innovation. Und damit meine ich nicht nur neue Produkte, sondern Innovation in breitem Sinne, da sind Unternehmen gefordert und da ist die Politik gefordert, entsprechende Infrastrukturen anzubieten.

Konnten Sie mit Ihrem Unternehmen seit Ende letzten Jahres einen Erfolg verbuchen, auf den Sie besonders stolz sind?

Ich bin schon stolz, ja. Aber nicht darauf, dass wir Erfolge verbuchen konnten, sondern darauf, dass unsere Kunden Erfolg haben, aufgrund unserer Beratung.

Und da gab es schon eine Reihe: Ein globaler Marktführer im IKT Segment, den wir auf europäischer Ebene begleitet haben, hat seine Unternehmensstrukturen aufgrund unserer Strategieberatung für die nächsten Jahre zukunftssicher ausgerichtet. Junge Nachwuchsführungskräfte im Healthcare Sektor haben aufgrund unserer Begleitung neue Einblicke in die Themen Leadership und Verantwortung erhalten. Wir haben eine CEO-Akademie durchgeführt, in der Geschäftsführer kleiner und mittelgroßer österreichischer IT-Dienstleister sich mit Ihrer Vision und Strategie auseinander gesetzt und dabei faszinierende Einsichten gewonnen haben. Und das von uns zunächst nur für Österreich aufgearbeitete Thema Zukunft der Bildung hat internationale Beachtung und Wertschätzung gefunden und vor allem auch engagierten Lehrern wieder Mut gemacht.

Mich freut es, wenn Kunden sagen: Ich konnte viel mehr mitnehmen aus dem Projekt mit Euch, als ich ursprünglich gedacht hab‘. Und den Satz haben wir einige Male gehört heuer.

Wie sehen Sie Österreich im internationalen und gesamteuropäischen Vergleich positioniert, was IKT betrifft. Wie sieht die Lage Österreichs speziell in Ihrem Bereich aus?

Wir stehen gut da und haben Nachholbedarf. Klingt paradox, ist aber so: Denn die IT Branche hat in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, dass sie ein Wachstumsmotor und Jobmotor ist. Wir sind immer ganz stolz darauf, dass Österreich eine Tourismus-Destination ist – dabei hat hinsichtlich der Wertschöpfung die IKT Branche den Tourismussektor bereits hinter sich gelassen.

Und natürlich steht die IT Branche symptomatisch für die Zukunft der Arbeit: Hochgradig vernetzte Strukturen, internationale Ausrichtung, Innovation und Kreativität als Kernkompetenzen. Das kann und muss man ausbauen und da haben wir Nachholbedarf. Zwei Beispiele: Sogar mitten in der schärfsten Wirtschaftskrise geben die großen IT Hersteller gemeinsam eine Pressekonferenz und beklagen den Fachkräftemangel. Und das nicht zum ersten Mal. Ich finde das beachtlich. Da müssen doch die Alarmglocken läuten, und man muss sich fragen, wo die Bildungsinitiativen sind, die die IT-Spitzenkräfte hervorbringen. Kurzfristig wahrgenomme Engpässe am Arbeitsmarkt sind oft das Ergebnis langfristig fehlgeleiteter Entwicklungen, und da merkt man eben unsere Bildungspolitik.

Zweites Beispiel: Wenn man Innovationskraft in der Wirtschaft fördern möchte, braucht man die passende Infrastruktur dahinter. Und damit meine ich nicht Glasfaser, so wichtig das sein mag, sondern wirtschaftliche Strukturen: Warum haben wir keine Venture Capital Kultur in Österreich, die Startups unterstützt? Wo ist das Risikokapital, das dafür sorgt, dass die österreichischen Mittelbetriebe, das Herzstück unserer Wirtschaft, bereit sind, in Innovation zu investieren? Da gibt es noch viel zu tun.

Gibt es Länder mit Vorbildwirkung, an denen sich Österreich orientieren sollte (um den Anschluss nicht zu verpassen)? Oder hat Ihrer Meinung nach Österreich in bestimmten Gebieten Vorbildwirkung? In welchen?

Wenn man aktuelle Gebiete, in denen Österreich Vorreiter ist, nennt, läuft man immer ein wenig Gefahr, diese Gebiete damit zu schwächen. Erfolg ist ja bekanntlich ein schlechter Lehrmeister und grade in Österreich verleiten Erfolge gerne auch zum Ausruhen auf den Lorbeeren.

Natürlich ist Österreich ein Vorzeigeland im Bereich eGovernment, schon seit Jahren und das ist gut so, das soll man auch immer wieder betonen. Aber gleichzeitig muss man jetzt darauf aufbauen, die nächste Stufe zünden: Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, dass unsere Spitzenposition kein lokales Ergebnis bleibt, sondern ein Exportschlager wird – made in Austria als Gütesiegel für IT-Spitzenleistungen. Den lange geforderten IT Masterplan der Regierung aufstellen und umsetzen, um die Perspektiven langfristig zu bündeln.

Welche Trends, Technologien oder Produkte werden die Nachkrisenzeit in Österreich besonders prägen oder können vom sanften Aufschwung profitieren?

Never miss a good crises. Und in diesem Sinne werden vom Aufschwung jene profitieren, die ihre Hausaufgaben machen, unternehmerisch agieren und die Weichen richtig stellen. Und das ist mehr, als nur Kosten zu senken, sondern sich zukunftssicher aufzustellen.

Wettbewerbsvorteile erzielt man nicht, in dem man das gleiche macht, was alle anderen auch machen, sondern indem man sich unterscheidet. Man sagt ja, Krisenzeit sei CFO-Zeit, und jetzt Kosten senken ist natürlich wichtig. Aber unterscheiden kann man sich damit nicht. Unterscheiden kann sich, indem man jetzt seine Unternehmensstrategie neu ausrichtet, und mit seinen Kunden über gemeinsame Chancen in der Zukunft spricht.

Ist Österreich bei Infrastruktur föderalistisch oder werden alle Länderentscheidungen in Wien getroffen? Gibt es Bundesländer, mit vorzeigbaren Initiativen in die IT-Infrastruktur?

Vorzeigbare Initiativen gibt es in ganz Österreich. Nur: Bei aller Wertschätzung des Think global, act local, ich bin einem kleinteiligen Förderalismus gegenüber sehr kritisch eingestellt. Man kommt da ganz schnell in das Fahrwasser der Mikrooptimierung, wo man zwar vielleicht auf einer ganz lokalen Ebene das eine oder andere sinnvoll hinbekommt, aber systemisch nichts bewegt, sondern sich in Wahrheit nur verzettelt.

Auf der anderen Seite: Sich gegen einen ausufernden Föderalismus auszusprechen bedeutet nicht, sich automatisch für Wien als Entscheidungsknoten zu auszusprechen. Das halte ich für einen ganz falschen Standpunkt. Das Gegenteil von Föderalismus ist nicht Wiener Zentralismus, sondern Homogenität beim Umsetzen der besten Ideen. Ich glaube nicht daran, dass alles Gute aus Wien kommt. Aber wenn eine tolle Idee aus Salzburg kommt, dann soll man die doch in ganz Österreich umsetzen, und nicht nur in Salzburg selbst.

Kennen Sie Exportschlager heimischer IKT-Unternehmen hinsichtlich Produkten oder Know-How?

Ja, aber viel zu wenige. Ich bin international sehr viel unterwegs, und ich würde es lieben, wenn meine Freunde in Europa oder in den USA nicht mehr von Österreich als Land der Musik oder der weissen Pferde schwärmen, sondern uns mit Software, IT und Bildung verbinden und sagen: Österreich, das ist das Land, wo man sich die Zukunft der Arbeit anschauen kann. Wenn das gelingt, dann haben wir viel erreicht.

Einsortiert unter:Entrepreneurship, Future Of Work, Innovation, Leadership, Strategie

Jetzt nicht sparen!

Sowohl die aktuelle Wirtschaftslage als auch die düstere Prognosen für die unmittelbare Zukunft lassen keinen Zweifel daran: Wir stecken in der Krise. In einer solchen Situation soll man vorsichtig agieren, sein Risiko minimieren und Einsparungsmaßnahmen treffen.

Und gespart wird zunächst natürlich dort, wo es scheinbar nicht weh tut und offensichtlich recht einfach geht. Beispielsweise bei Training-, Aus- und Weiterbildung. Betrachtet man die bei Schulungsbudgets angesetzten Rotstifte, so könnte man zu dem Schluss gelangen, dass Qualifikationsmaßnahmen ein Luxusgut sind, das man sich zwar in guten Zeiten leistet, wenn es aber wirklich darauf ankommt unternehmerisch zu agieren, als erstes gestrichen werden kann.

Es gibt jedoch drei Gründe, warum Sie sich anders entscheiden sollten:

Erstens: Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern bleibt das zentrale Thema für innovative und zukunftsorientierte Unternehmen. Daran ändert sich auch in einem schwierigen Marktumfeld nichts: Wer glaubt, ausgerechnet in Krisenzeiten auf qualifizierte Mitarbeiter verzichten zu können, und stattdessen nur ausgabenseitig agieren zu können, der täuscht sich. Ein reiner Kostenwettbewerb wird auf Dauer in Österreich nicht zu gewinnen sein. So sieht das auch die Industriellenvereinigung: 69% ihrer Mitglieder bezeichnen die Lösung des Fachkräftemangels als wichtigste Herausforderung für ihr eigenes Wachstum. Und nicht umsonst investieren Branchenriesen gerade jetzt in eigene Ausbildungsinitiativen, wie beispielsweise in das Projekt Microsoft Karrierecampus, um dem Wirtschaftsstandort neue Impulse zu versetzen und eine neue Innovationsdynamik auszulösen.

Zweites: Bildung zahlt sich aus. Es gibt einen klar nachweisbaren Zusammenhang zwischen Ausbildung von Mitarbeitern und Erfolg von Unternehmen. Setzt man die Forschungs- & Entwicklungsquote österr. Betriebe in Relation zu ihrer wirtschaftlichen Prosperität – ausgedrückt in Umsatzwachstum und Mitarbeiterwachstum – so erkennt man dies sehr deutlich: Je innovativer, desto erfolgreicher. Oder anders gesagt: Je eher die Mitarbeiter in der Lage sind, hochqualifizierte, kreative und innovative Leistungen zu erbringen, desto nachhaltiger ist der Erfolg des Unternehmens. Und dafür braucht es bestens ausgebildete Mitarbeiter.

Drittens: Erfolg entsteht aus der Differenzierung. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es umso wichtiger, sich von seinen Mitbewerbern zu unterscheiden. Das gelingt einerseits durch kurzfristig wirksame absatzfördernde Maßnahmen, um die Nachfrage aufrecht zu erhalten. Zielführender ist jedoch antizyklisches Investment in mittelfristige Maßnahmen. Wer jetzt in Ausbildung und Forschung investiert, wird am Beginn des nächsten Konjunkturzyklus in der Pole Position stehen, während jene, die in der Krise nur gespart haben, erst einmal Versäumtes nachholen müssen.

Die richtigen Dinge zu unternehmen, anstatt scheinbar leicht eliminierbare Dinge zu unterlassen, ist also das Gebot der Stunde.

 

PS: Dieser Text erscheint im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt.

Einsortiert unter:Bildung, Entrepreneurship, Future Of Work, Leadership, Strategie

Impressum & Kontakt

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
kontakt @ reflections.at

Reflections Research & Consulting
%d Bloggern gefällt das: