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Der beste Job – oder: Wie vergleicht man Berufe (nicht)?

Für das Ranking der besten Berufe 2010 (siehe Bericht im Wall Street Journal) hat das U.S. Job-Portal careercast.com ein Benchmark-System entwickelt. Es besteht aus fünf Kategorien, in denen Kriterien zusammengefaßt werden, die – lt. den Autoren der Studie – jeden Beruf auf die eine oder andere Weise kennzeichnen.

Diese 5 Kategorien sind:

  1. Umwelt – gemeint damit sind die physischen Umweltparameter wie bspw. schädliche Einflüsse durch Lärm, Giftstoffe o.ä., extreme physische Anforderungen; aber auch emotionale Parameter wie das Ausgesetztsein in Gefahrsituationen. Diese Parameter werden einzeln bewertet und mit der Arbeitszeit normalisiert. Im Ergebnis steht dann an der schlechtestmöglichen Stelle im Ranking der Feuerwehrmann, aufgrund seiner hohen körperlichen Anforderungen und Gefährdungen und des emotionalen Drucks im Einsatz.
  2. Einkommen – ziemlich selbsterklärend. Interessant ist noch, dass sowohl das Starteinkommen als auch das Wachstumspotential des Einkommens berücksichtigt wurden.
  3. Berufsaussichten – das ist eigentlich eine ungenaue Übersetzung von “Hiring Outlook”, gemeint ist also, wie gut die Chancen stehen, so einen Job im heurigen Jahr tatsächlich zu bekommen. Dieser Parameter wird aufgrund der Arbeitslosenzahlen bzw. des Jobwachstums ermittelt.
  4. Körperliche Belastung – hier wird in Anlehung an ein Modell des US-Arbeitsministeriums bewertet, welche körperlichen Anforderungen im jeweiligen Beruf vorausgesetzt werden: Heben schwerer Gewichte, Knien, Bücken, Klettern aber auch Überstunden.
  5. Stress – eigentlich eine nicht leicht zu beurteilende Kategorie, demensprechend wurde eine längere Punktetabelle entwickelt, anhand derer einzelne Stressfaktoren aufgezählt und bewertet werden. Darin sind u.a. erfaßt: Quotas (also bewertungs- und einkommensrelevante Ziele), Deadlines, Arbeit in der Öffentlichkeit, Notwendigkeit schnell und/oder präzise zu arbeiten, etc.

Die 5 Kategorien werden gleich gewichtet aufsummiert und ergeben somit das Ranking der "Best/Worst Jobs 2010”.

Ich finde den Ansatz durchaus in Ordnung – für das vergangene Jahrhundert; für das 21. Jahrhundert greift er meiner Meinung nach viel zu kurz.

Meine Kritik gliedert sich in drei Hauptpunkte:

  • Erstens, hier werden primär die tayloristischen Aspekte von Berufen gegenübergestellt. Die Kehrseite eines Jobrankings ist ja die Fragestellung, wie gut passt ein möglicher Kandidat, ein Jobsuchender in das Schema hinein. Denn es nützt wenig, zu wissen, dass Bilanzbuchhalter einer der Top-10 Jobs ist (tatsächlich!), man muss sich als Einzelner daran messen, ob man den Anforderungen dieses Jobs entspricht. Mit einem derartigen Ranking unterstellt man also auch, dass Kandidaten entlang der genannten Kriterien ausgewählt werden. Und in diesem Ranking geht es eindeutig ums “Funktionieren”.
  • Zweitens, Arbeit wird nach wie vor als Frohn angesehen, als im Grundsatz möglichst zu vermeindendes Übel, und der Beruf mit dem geringsten Übel gewinnt. In dieser Diktion ist also Softwaretechniker (Platz 2) weniger schlimm als Versicherungsagent (Platz 39). Aber bei einer Liste der besten Berufe kann es doch letztlich nicht darum gehen, welcher Beruf am wenigsten schlimm auszuüben ist. Natürlich ist die persönliche Befriedigung mit dem Beruf ein schwierig in Rankings einordenbares Kriterium, aber das ist “Stress” zunächst auch und doch ist es dort gelungen. Auch wenn durch die Wirtschaftskrise der letzten Monate der Jobmarkt ein Anbietermarkt wurde, langfristig werden Kandidaten Berufe durchaus stärker nach diesem Kriterium auswählen – und das fehlt hier völlig.
  • Drittens: Der grundlegende Wechsel der Produktionsweise und Produktionsmittel ist meiner Ansicht nach in diesem Ranking nicht reflektiert. Kreativität, Eigenverantwortung, Problemlösungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit – all das sind Parameter, die hier nicht erfaßt wurden, und die dennoch zentral sind für erfolgreiche Berufe der Zukunft und Gegenwart. Und zwar sowohl aus Arbeitgebersicht als auch aus Arbeitnehmersicht.

Im Ergebnis bleibt bei mir ein schaler Nachgeschmack, der einzig durch die auf den ersten Blick doch vielversprechenden Ergebnisse des Rankings ein wenig gemildert wird.

Aber auch hier zahlt sich ein genauerer Blick aus: Die besten Jobs wirken zunächst sehr “modern” (im Sinne von Wissensgesellschafts-orientiert): Wie sonst hätte es wohl der Philosoph auf Platz 11 von 200, und der Astronom auch noch auf Platz 25 gebracht. Aber auch unter den schlechtesten Jobs finden sich Überraschungen: “Nuclear Plant Decontamination Technician” ist NICHT der schlechteste Job, Fotojournalist und Diskjockey sind beispielsweise viel schlimmer dran… Vielleicht ein Hinweis darauf, wie hier Jobs miteinander verglichen werden.

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