Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Wegen 80 Cents fristlos entlassen

So lautet die Schlagzeile zu einem Artikel, in dem über die missbräuchliche Verwendung eines Essensbons durch einen Mitarbeiter und seine dadurch ausgeköste Kündigung geht. Durch diese Verfehlung sei ein nicht wiedergutzumachender Vertrauensverlust entstanden, argumentiert das Unternehmen.

Man erinnert sich an den “Fall Emmily”: Eine Supermarkt-Kassiererin wurde nach 31 Dienstjahren gekündigt, weil sie Bons im Gegenwert von EURO 1,30 eingelöst hatte, die ein Kunde verloren hat.

Grund auch hier: Nachhaltig zerrüttetes Vertrauen.

Ich möchte keines der Vergehen schönreden. Gerade Vertrauen (und der Bruch desselben) ist von entscheidender Bedeutung im Arbeitsverhältnis. Aber ich frage mich schon auch, welches Vertrauensverhältnis sich nach 3 Jahrzehnten Firmenzugehörigkeit auftut, wenn bei EUR 1,30 Opportunitätsverlust die Fristlose ansteht.

Klaus Zumwinkel, ehemaliger Vorstand der deutschen Post, hat dagegen nur 1 Million Euro Steuer hinterzogen, musste dafür zurücktreten und die Million zurückzahlen. Er hat sich aber dennoch seinen Pensionsanspruch in der Höhe von 20 Millionen Euro plus einen Managementbonus von nochmal einer ¾ Million Euro auszahlen lassen. Der Vollständigkeit halber hat Zumwinkel die daraus entstandende Empörung mit den Worten “Ich bin doch nicht der einzige” quittiert.

Und die von der Wirtschaftskrise, die sie selbst ausgelöst haben, schwer betroffenen US-Banken haben ebenfalls Konsequenzen aus dem Desaster gezogen. Denn es erhält beispielsweise in der Bank of America jeder Investment-Banker sicherheitshalber mal einen sechsstelligen Bonus. Kein Einzelfall, wie die Berichterstattung zeigt. Ob das zum Wiedergewinn des Vertrauens in das US-Finanzsystem beiträgt?

Die Lehre, die man daraus ziehen kann: Man darf keinen kleinen Bon einstecken, sondern muss es machen wie Topmanager oder Investment Banker, und gleich einen ordentlichen Bonus kassieren.

Dann darf man sich aber auch nicht über grassierenden Vertrauensverlust mit all seinen Begleiterscheinungen wundern.

Statt dessen die Lehre, die man aus solchen Beispielen ziehen muss: Vertrauen in der Wirtschaft entsteht nicht durch hochglänzend kommunizierte Social Responsibility Maßnahmen oder durch ausgeklügelte Corporate Citizenship Programme eines Unternehmens. Sie entsteht aus der ethisch fundierter Haltung seiner Führungskräfte. Und die ist heute mehr denn je gefragt.

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3 Responses

  1. Ali Mahlodji sagt:

    Danke Franz,

    danke für diesen herrlichen Vergleich, wie vieles heutzutage abrennt und wo die Realität der Wertigkeiten liegt.

    Es ist ein Thema, welches uns alle im Magen aufstoßen lässt, und doch sind dies Vorkommnisse, welche es regelmäßig in die Tagesnews schaffen.

    Ich danke dir auch deshalb, weil du diesen Artikel geschrieben hast.

    Wenn normalerweise Menschen über solche Themen schreiben, welche in keiner Managementposition waren und variable Gehälter nur zu kleinen Teilen kennen, dann werden diese immer mit dem Argument konfrontiert, dass sie die ganzen Zusammenhänge nicht verstehen.

    Du warst recht lange COO von Microsoft Austria und damit selbst ein Teil eines sehr starken und wichtigen Managementteams. Du hast viele Jahre hindurch als Manager einen Großteil deines Gehaltes als variables Gehalt bezogen und bist damit auch im selben Boot „der Manager“.

    Wenn aber sogar du solche Dinge kritisiert, aufzeigst und deine Gedanken darüber mit anderen teilst, dann ist es wirklich höchste Eisenbahn, dass viele Unternehmen Nägel mit Köpfen machen und wieder einmal objektiv bewerten, was z.B. ein „Vertrauensbruch“ ist oder was nicht.

    Und wieder zeigt sich … nachhaltige Handlungen zählen mehr als CSR Hochglanzmagazine :-)

    LG Ali

  2. Rainer Kalkbrener sagt:

    Franz,

    Da sprichst du sicher eines der heisses Thema an. Vertrauen ist die Basis für die Zusammenarbeit in Organisationen. Vertrauensverlust sei es in die Fähigkeiten oder in die moralische Integrität entzieht der Zusammenarbeit die Grundlage. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, was bei Vertrauensverlust zwischen Organisationen und Insitutionen bewirken kann. Ohne Vertrauen auf gesellschaftlicher Ebene kommt unser System gehörig ins Wanken.

    Gerade an Personen, die mit einem großen Maß an Macht ausgestattet sind, dürfen und müssen erhöhte Ansprüche an Moral und Fähigkeit gestellt werden.

    Wenn man das Ansehen von Berufsgruppen vergleicht (http://www.djv-bw.de/97.0.html) dann kommt die Berufsgruppe Manager besonders schlecht weg. Interessant auch der Vergleich mit der Berufsgruppe Unternehmer, die wesentlich beliebter sind. Unternehmer wird angerechnet, das sie auf eigenes Risiko arbeiten und langfristig denken. Manager arbeiten mit OPM (other people’s money) und werden oft aufgrund des kurzfristigen Erfolgs beurteilt und bezahlt.

    Beim Gehalt stellt sich rasch die Frage der Angemessenheit. Nur eine kleinste Minderheit wird die Millionen schweren Boni für Menschen, die auf Finanzmärkten anspruchsvolles Glücksspiel betreiben, für angemessen halten. Aber auch abseits der Exzesse bleibt die Angemessenheit eine schwierig zu beantwortende Frage. Letztendlich tragen hier die Eigentümervertreter eine zentrale Verantwortung.

    Abseits der Angemessenheit der Entlohnung ist aber sicher das mangelnde Vertrauen in die Integrität und Moral der Manager der Grund für ihr geringes Ansehen. Der Umstand, das man Menschen nicht an ihren Worten sondern nur an ihren Taten messen kann, macht die Sache nicht einfacher. Worte und Texte sind einer Beobachtung halt zugänglicher als Taten.

    Das Thema wird uns noch länger begleiten…

    LG Rainer

  3. @Rainer und @Ali – Danke für das ausführliche Feedback.

    Ihr habt recht, hier sind zwei Themenkreise zu trennen.

    Der eine hat mit „gerechter“ Vergütung zu tun und der Frage, ob es so etwas geben kann.

    Der andere, und auf den habe ich hauptsächlich abgestellt, dreht sich im Kern um das Verhältnis von ethisch richtigem Verhalten, persönlicher Integrität und Vertrauen im Kontext von Führung und Management.
    Ich finde es jedenfalls beachtlich, dass diese Woche Harvard Business School Studenten im Rahmen ihrer Graduierung einen Ethik-Eid schwören mussten, vergleichbar dem Eid des Hippokrates…

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