Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf

Teil 3 der Blogserie: Die neue Welt der Arbeit

Was für Unternehmen untereinander gilt, hat auch auf der Ebene zwischen Unternehmen und Mitarbeiter Relevanz. Und auch hier gilt: Bestehende Strukturen lösen sich zunehmend auf.

Traditionelle Dienstverhältnisse weichen immer öfter neuen flexiblen Modellen. So hat sich etwa die Teilzeitquote (also der Anteil der in Teilzeitarbeitsverhältnissen Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigtenzahl) in den letzten 20 Jahren auf etwa 25% verdreifacht. Über 1 Million angestellte Österreicher arbeiten nicht in Vollzeitverträgen.

Doch nicht nur die Dienstverhältnisse verändern sich, auch der grundlegende Bezug zum Unternehmen. Die so oft zitierte Flexibilisierung der Arbeit ist längst Realität, sie äußert sich in sehr unterschiedlichen Modellen, in denen Unternehmen Arbeitskraft einkaufen: Vom herkömmlichen Angestelltenverhältnis über kurzfristig engagierte Projektmitarbeiter, Personalleasing, externe Berater und Dienstleister bis zur Ausgliederung einzelner Unternehmensbereiche reicht das Spektrum. Nicht zuletzt reflektiert ein nicht zu vernachlässigender Teil der seit Jahren steigenden Zahl der EPUs (Ein-Personen-Unternehmen) dies: 225.000 sind es aktuell in Österreich – vielfach im Umfeld größerer Betriebe angesiedelt.

Für Aufbau- und Ablauforganisation wie auch für die Personalführung hat dies gravierende Auswirkungen. In den letzten Jahrzehnten haben sich Unternehmen von traditionellen Hierarchien – zunehmend flacher werdend – über Matrixorganisationen hin zu echten Netzwerkorganisationen entwickelt, in denen projektorientiert zusammengearbeitet wird, unabhängig von der Art des Dienstverhältnisses.

Aus Mitarbeiter-Sicht ist die so entscheidende Frage nach der Identifikation mit dem Unternehmen nicht mehr so zielstrebig zu beantworten: Wem etwa gilt die Loyalität des über Personalleasing hinzugezogenen Projektmitarbeiters?

Und so muss sich das Management eines Unternehmens fragen: Was ist überhaupt ein Mitarbeiter? Immer seltener jemand, der 20 Jahre lang in einem Unternehmen tätig ist; statt dessen immer öfter jemand, der die Interessen des Unternehmens im Rahmen einer konkreten Aufgabe vertritt, vielleicht auch nur innerhalb eines Projektes oder nur kurzfristig. Personalführung, Kommunikation und Management finden zunehmend unter der Prämisse statt, dass ein guter Teil der Mitarbeiter keine Fix-Angestellten mehr sind, sondern Freelancer in der einen oder anderen Form.

Aus organisatorischer Sicht lautet die Schlüsselfrage, wie in einem solchen Umfeld Produktivitäts- und Kommunikationswerkzeuge zur Verfügung gestellt werden. Jedenfalls müssen Teamwork- und Collaboration-Szenarien dynamisch abbildbar und hochgradig flexibel sein, damit sie keine Barriere für neue Arbeitsstrukturen darstellen, sondern eine wesentliche Unterstützung.

Kernaussage:
In der neuen Welt der Arbeit steuern wir auf einen „Freelance Planet“ zu.

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5 Responses

  1. Rainer Kalkbrener sagt:

    Traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf!

    oder werden sie nur durchlässiger?

    Facebook hat vor kurzem für die Übersetzung seiner Website in 70 Sprachen mehr als 300.000 User rekrutiert. Die französische Version war in einem Tag fertig. Sicher ein Beispiel dafür wie Unternehmen ihre Sourcing Strategie ändern.

    Die Frage ist, weshalb Unternehmen Tasks outsourcen wollen? Das Fallbeispiel Facebook mag einleuchtend sein. Niemand möchte 300.000 Mitarbeiter für eine kurze Zeit einstellen, User machen die Task oft kostenlos und es passt gut zu dem Social Web Vorreiter.

    Jetzt unterscheiden sich die meisten Unternehmen recht deutlich von Facebook und Co. Was motiviert den typischen Mittelständler seine Unternehmensgrenzen durchlässig zu machen?

    Eine Motivation mag darin liegen, die Fixkosten zu reduzieren, um für Nachfrageschwankungen besser gerüstet zu sein. Der Boom an Leiharbeit in diesen Tagen ist sicher ein Beispiel dafür, wie Unternehmen versuchen für den nächsten Abschwung gerüstet zu sein.

    Eine weiterer Grund kann darin liegen, dass sich nicht lohnt bestimmtes Know How auf Dauer vorzuhalten. Unternehmen sourcen es projekt- oder anlassbezogen. Oft wird sich dieses Aufweichen der Unternehmensgrenzen langsam in gewissen Schüben vollziehen.

    Die größte Herausforderung liegt aus meiner Sicht allerdings nicht in der Technologie. OOCS & Co. sind fantastische Enabler, die zusammenarbeiter jenseits des eigene Standorts und Unternehens toll unterstützen. Sicher ist hier noch einiges zu tun, um die notwendigen Skills für diese neue Art derZusammenarbeit zu schaffen.

    Außerhalb des Sourcing von einfachen Tasks liegt die Herausforderung in der Führung, der Kultur und in der Nachhaltigkeit von Unternehmen. So wird es zum Beispiel schwierig sein, bei einem Manager auf Zeit Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines Wirkens zu stellen. Hier den richtigen Mix aus der Flexibilität der neuen Sourcingformen und einer am langfristigen Unternehmenserfolg interessierten Mann- oder Frauschaft zu finden, ist eine spannende Herausforderung für Managment und Unternehmer.

    Deine Ansage Franz „Organisationskulturen lösen sich auf“ halte ich für die Diskussion als stimulierend, las Prognose allerdings für die Ausnahme

    Danke für deinen Beitrag
    Rainer

  2. David sagt:

    Ich kann folgende Literatur zum Thema für Interessierte empfehlen:

    „Richard Sennett – Der flexible Mensch“

    Danke und bitte :)
    David

  3. Marcus Dekan sagt:

    Manche mögen es für einen visionären Blick in die ferne Zukunft halten. Es gibt jedoch bereits heute klare Fakten, die diese zitierte Tendenz bestätigen: immer mehr Selbständige, die sich für eine befristete Zeit, ein Projekt verpflichten ohne sich die Bürde des Angestelltendaseins umzuhängen. Passt allerdings nicht für alle Menschen. Wenn man nur auf Sicherheit oder zB Karriere aus ist, wird das kein ideales Modell sein. Ich möchte meine Zeit als Angestellter nicht missen, für meine jetzigen Lebenseinstellung würde ich aber die Selbständigkeit nicht aufgeben.

  4. […] Teil 3: Traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf […]

  5. diese analysen und prognosen finde ich sehr treffend und aussagekräftig.

    nach meiner einschätzung ist diese entwicklung – zumindest in einigen branchen und berufsfeldern – schon seit längerem vorgezeichnet. z.b. IT oder agentur-typen.

    was mich nun beschäftigt ist neben der frage der produktivität und collaboration noch ein zusätzlicher aspekt:

    => wie funktioniert in diesem kontext dann führung? (eines unternehmens)
    meine hypothese ist, dass es einen völlig neuen typus an leaders brauchen wird.

    sunshine!
    Jan A. Poczynek

    PS. am 24.9. gibt es zu dem thema übrigens das symposium „digitales managen“

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