Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Wer will schon unbegrenzten Urlaub?

Der Traum vieler Arbeitnehmer scheint bei Netflix wahr zu werden: Die Mitarbeiter des US-Unternehmens haben kein eingeschränktes Ferienkontingent mehr, sondern können unbegrenzt Urlaub nehmen.

Zugrunde liegt diesem Modell eine liberale und auf Vertrauen basierte Unternehmensphilosophie, sagt man bei Netflix, und begründet die Regelung damit, dass Richtlinien und Vorschriften Innovationskiller seien. Unter der knackigen Headline „Der beste Arbeitgeber der Welt“ berichtet die Tageszeitung DERSTANDARD in ihrer Online-Ausgabe darüber.

Wir haben uns etwa eine Woche nach Erscheinen des Artikels mit den zahlreichen Leserkommentaren auseinandergesetzt und versucht, aus den Reaktionen der Leser auf ein Stimmungsbild zu diesem Arbeitszeitszeitmodell zu schließen. Natürlich ist uns bewußt, dass es sich dabei nicht um eine statistisch relevante Meinungsumfrage handelt, wir fanden die verschiedenen Facetten, die in der Diskussion zum Ausdruck gelangen aber dennoch spannend genug für eine Auswertung. Zwischen viele durchaus leidenschaftlich vorgetragene Standpunkte mischen sich natürlich auch ausbalanciertere. Wir haben in jedem Fall versucht, die Tendenz der Postings einzuschätzen und fünf Kategorien zuzuordnen.

  • Finde ich gut – Entsprechende Wortmeldungen sind bspw. „Wünschenswert / Habe aktuell vergleichbare Freiheiten und genieße es / Fördert die Motivation / Zeitgemäßes System“
  • Mit Vorbehalt vorstellbar „Abhängig vom konkreten Aufgabengebiet / Unternehmenskultur spielt wichtige Rolle“
  • In Österreich nicht möglich „Mentalität nicht geeignet / Freiheiten würden nur ausgenutzt werden / Arbeitsmoral und Einstellung kommen damit nicht zurecht / Faule würden begünstigt“
  • Finde ich nicht gut„Regelung so wie sie jetzt ist, ist gut / Geregelte Strukturen sind gut für Privatleben / Arbeitsorganisation würde leiden“
  • Sozialdumping„Lockangebot, führt in der Realität zu Überstunden / Geregelte Arbeitszeit ist hart erkämpfte Errungenschaft / Sozialer Druck von Kollegen und Vorgesetzten würde zunehmen“

In Summe ergibt sich ein sehr kritisches Bild: 60% der Bewertungen fallen grundsätzlich ablehnend aus, weitere 22% haben konkrete Vorbehalte (können sich ein solches Modell jedoch prinzipiell vorstellen), nur 18% würden unbegrenzten Urlaub uneingeschränkt begrüßen:

Auffällig ist, dass etwa ein Viertel der Kommentare das Netflix Modell rundheraus mit der Begründung ablehnen, damit würde nur eine mehr oder weniger subtile Ausbeutung der Arbeitnehmer angestrebt: Unter dem Vorwand scheinbarer Freiheiten stiege der Druck, härter bzw. länger zu arbeiten, nur noch mehr an.

Ebenso auffällig: Etwa gleich viele Kommentare zielen auf die angeblich typisch österreichische Mentalität ab, in der Freiheiten entweder gar nicht erwünscht oder, sofern erteilt, doch nur ausgenutzt würden. Vergleichen Sie bitte dazu unsere Haltung zum Thema Vertrauen.

Dabei steht die Richtung fest: Dass Arbeit nach Anwesenheitszeit beurteilt wird, ist sicherlich kein zukunftsträchtiges Konzept mehr – das haben wir bereits im Rahmen unserer Blogserie zur Zukunft der Arbeit festgestellt.

In jedem Fall bringen diese Ergebnisse jedoch gut zum Ausdruck, dass mit den sich auflösenden Grenzen von Zeit und Ort auch eine Menge Unsicherheit verknüpft ist und Diskussionsbedarf entsteht. Lernpotentiale stecken dabei sowohl auf Arbeitgeber-, wie auf Arbeitnehmer-Seite und selbstverständlich auch bei den Interessensvertretungen beider Seiten.

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4 Responses

  1. Thomas Lutz sagt:

    Gute Idee, die Leserkommentare zu analysieren. Wobei da natürlich die Blinden über die Farbe reden… denke, dass nur ein kleiner Prozentsatz der LeserInnen auch schon mal selbst ein Vertrauensarbeitszeitmodell kennengelernt haben. Daher relativiert sich die zugrundegelegte Beurteilung ein wenig. Auch denke ich, dass so ein Konzept stark vom jeweiligen Job (Arbeitsteiligkeit), dem Management, der Unternehmenskultur und dem (intrinsischen) Motivationsgrad der Mitarbeiter abhängig zu machen ist. Das ist nicht automatisch etwas für alle.

    BTW: Ich empfehle, für die Visualisierung kein Tortendiagramm zu verwenden (eigentlich generell…), es ist auch in diesem Fall nicht sehr gut lesbar, ein Balkendiagramm hätte die Aussagen IMHO besser darstellen können.

    Alles Liebe
    /tom

    • Buffy sagt:

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  2. Super Idee, das mit der Auswertung der Kommentare… Mich habe diese Kommentare ein wenig auf den Boden der Tatsachen runtergebracht und gezeigt, dass die Umgebung, in der ich mich bewegen darf (seit vielen, vielen Jahren) halt nicht selbstverständlich ist. Das eigenverantwortliche Arbeit, die Spaß macht, scheinbar in A nicht selbstverständlich ist und dass viele Menschen sich selbst als Arbeitnehmer und nicht unbedingt als Mitarbeiter sehen und dass viele meinen, die einzige Motivation der Arbeitgeber ist, den Arbeitnehmer größtmöglich auszubeuten…
    Schade eigentlich….

  3. Janine sagt:

    And to think I was going to talk to somnoee in person about this.

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