Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Der Wendepunkt

(Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade Innovation)

Ich beschäftige mich aufgrund meiner Tätigkeit in sehr unterschiedlichen Facetten mit dem Thema Innovation. Da ist einmal die Trendforschung, ein wesentlicher Input für viele Innovationsprozesse: Wir gehen gesellschaftlichen und sozio-ökonomischen Strömungen auf den Grund und berichten mit prognostischen Methoden über ihre Auswirkungen auf Märkte, Strukturen und Unternehmen. Da ist zweitens die Unternehmensberatung, bei der wir im Rahmen von Consultingprojekten mit Führungskräften österr. Unternehmen aber auch internationaler Konzerne arbeiten und sie auf dem Weg in ihre unmittelbare Zukunft begleiten: Wir haben somit tiefgreifende praktische Erfahrung damit, wie Top-Manager an das Thema Innovation herangehen. Und last but not least lehre ich an Fachhochschulen, u.a. Innovationsmarketing an der FH Wiener Neustadt, und stehe somit im Diskurs mit der kommenden Managementgeneration.

Und eben der Unterschied zwischen diesen beiden letzten Zielgruppen ist immer wieder spannend und aufschlussreich. Am deutlichsten wird dies anhand einer Übung, die ich sowohl in Workshops mit Unternehmen einsetze, als auch an der FH mit Studenten. Im Wesentlichen geht es dabei um zwei Fragen: 1) Finden Sie – innerhalb eines abgesteckten Themenfeldes – eine Innovation. 2) Beschreiben Sie, warum diese Innovation scheitern wird.

Die erste Frage soll Perspektiven öffnen, die Gedanken weit machen, Kreativität zum Einsatz bringen. Wir wenden unterschiedliche Kreativitätstechniken an, beschäftigen uns mit Suchfeldern, lernen von anderen Beispielen und versuchen auf diese Weise neue, eben innovative Ansätze zu finden. Die zweite Frage soll Hürden aufzeigen, und auf diesem Weg der eben gemachten Innovation den Weg zum Erfolg ebnen. Denn: Innovation = Invention + Exploitation, es reicht also nicht aus, eine gute Idee zu haben, es muss auch gelingen, dieser Idee zum Durchbruch am Markt zu verhelfen.

Das Interessante bei diesen beiden Fragen: Studenten tun sich mit der ersten Frage ganz leicht, sie sprühen vor Kreativität und finden in einer halben Stunde unzählige (und durchaus vielversprechende!) Ideen. Dafür tun sie sich schwer mit der zweiten Frage, ihnen fehlt die Praxis des harten Wirtschaftsalltags, sie können schwer einschätzen, was alles schief gehen kann und wird. Manager dagegen zeigen genau das umgekehrte Verhalten: Sie brauchen vergleichsweise lang, um neue Ansätze und Ideen zu finden, zu eingefahren sind sie bereits in ihren Denkweisen und Annahmen. Dafür können sie aus dem Stand blitzartig eine lange Liste erstellen, warum eine bestimmte Idee sich nicht durchsetzen wird: Budgetfragen, Kompetenzthemen, organisatorische Probleme, der Mitbewerb usw. – die Flipcharts werden da sehr schnell voll.

Warum ich das bemerkenswert finde? Weil es offenbar einen Wendepunkt gibt, an dem eine Nachwuchsführungskraft ihre Kreativität einbüßt und vom Alltag dermaßen vereinnahmt wird, dass ihr Fokus mehr auf Probleme als auf Innovation gelenkt wird. Eben noch kreativ und voller Ideen, und plötzlich (oder schleichend) voller guter Gründe, warum das alles nichts wird.

Natürlich braucht man im unternehmerischen Kontext beide Kompetenzen: Weder eine Hurra-Mentalität, die wie eine junge Katze jeder neuen Idee nachläuft, führt zum Ziel; noch eine destruktive Grundhaltung, die viel zu rasch auf Probleme fokussiert. Denn: Wer zu früh an Probleme (z.B. Kosten) denkt, riskiert die Innovationskraft; wer zu spät daran denkt, riskiert das Unternehmen. Man kann sich das ganze ruhig wie eine Wippe oder Schaukel vorstellen: auf beiden Seiten muss genug Energie vorhanden sein, damit sich etwas tut. Interessant ist, dass in vielen Chefetagen ganz deutlich der Problemfokus vorherrscht, und viele Topmanager es verlernt haben, wirklich kreativ zu sein und neue Ideen zu generieren. Wenn aber eine Führungsmannschaft die beiden notwendigen Kompetenzen nicht in ausbalancierter Form besetzt, sondern mehr oder weniger geschlossen auf der Bremserseite steht, dann ist in der Innovationskultur des Unternehmens sehr schnell der Wurm drin.

Und wie ist das bei Ihnen? Auf welcher Seite der Wippe stehen Sie?

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Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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