Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Wie verändern Sie die Welt?

Ich hatte das Vergnügen, auf Einladung von Marie Ringler den heurigen Auswahlprozess zum Ashoka Fellow zu unterstützen. Und habe dabei nicht nur über Social Entrepreneurship gelernt, sondern auch über mich selbst.

Ashoka ist die weltweit führende Organisation von Social Entrepreneurship und sucht und fördert dieses Thema seit 1980 in fast 70 Ländern. Nach Definition von Ashoka arbeiten Social Entrepreneurs „mit Geschäftsmodellen, die die drängendsten Probleme der Welt innovativ und nachhaltig lösen.“. Die Auswahl an Aufgabenstellungen, denen sich Social Entrepreneurs widmen, ist erwartungsgemäßt groß: Von der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen (bspw. mit Autismus) über den Energiemarkt bis zu Bildung, Arbeitsmarkt, Umwelt und Regionalentwicklung reicht das Spektrum der über 3.000 Projekte, die Ashoka bereits unterstützt hat und die zur Stärkung der Zivilgesellschaft beitragen sollen.

Um ein Ashoka Fellowship können sich führende Social Entrepreneurs bewerben, die innovative Ideen und das Potenzial haben, gesellschaftliche Probleme zu lösen, und zwar nicht nur punktuell, sondern auf systemverändernde Art und Weise. Das Auswahlverfahren ist mehrstufig und rigoros, umso größer die Ehre für mich, dabei zu unterstützen, und zwar als sogenannter Beobachter eines internationalen Auswahlinterviews. Dabei lernt man in einem 4-stündigen persönlichen Hearinggespräch einen Kandidaten sehr gut kennen, erfährt mehr über seine Motivationen, seine Idee, seine Perspektive für die Zukunft. In der anschließenden Diskussion berät man als Beobachter den Reviewer (der letztlich eine positive oder negative Entscheidung zur Fellowship abgibt), um dessen eigenes Bild zu ergänzen und abzurunden.

Die Kriterien für ein Fellowship sind transparent:

  1. Innovatives Konzept zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems
    Ist das Konzept der Kandidatin/des Kandidaten neu? Wie unterscheidet es sich von anderen Ansätzen? Hat es das Potenzial, tatsächlich sozialen Wandel in Gang zu setzen? Verändert es Haltungen und Verhalten? Inwiefern ist es systemverändernd?
  2. Kreativität
    Wie kreativ und innovationsfreudig ist die Person? Wie flexibel und einfallsreich geht sie mit organisatorischen und gesellschaftlichen Chancen und Hindernissen um?
  3. Unternehmerischer Geist
    Ist die Person so sehr von ihrem Vorhaben überzeugt, so „besessen“, dass sie für die Verwirklichung bereit ist, „alles stehen und liegen zu lassen“? Hat sie die zur Umsetzung nötigen Schritte und Details durchdacht? Weiß sie, wo und wie sie ansetzen muss, um die Idee gesamtgesellschaftlich auszuweiten? Zeigt sich Unternehmergeist im Lebenslauf?
  4. Hohe gesellschaftliche Wirkung
    Wie wahrscheinlich ist es, dass der Ansatz der Kandidatin/des Kandidaten zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems beiträgt? Ist das Projekt so praktikabel, dass es auf breiter Basis umgesetzt werden kann? Wenn ja, wie viele Menschen profitieren davon und warum?
  5. Integrität und Vertrauenswürdigkeit
    Ist die Person interessiert am offenen Austausch mit anderen? Was ist ihre Motivation, was sind ihre Absichten? Warum tut sie, was sie tut?

Nur diese fünf Fragen werden zwischen Beobachter und Reviewer diskutiert, dafür in großem Detailgrad und in hoher Qualität und Ernsthaftigkeit. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung, eine spannende Idee und einen interessanten, engagierten, von seiner Idee beseelten Menschen kennenzulernen, ihm 4 Stunden lang zuzuhören und schließlich diese Fragen über ihn und sein Tun zu beantworten.

Und mehr: Denn so wie Ashoka zu Beginn des Auswahlverfahrens den Kandidaten sagt, dass es neben der Selektion auch um einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch und um Inspiration geht, so sehr trifft das auch auf den Beobachter (in diesem Fall: mich) zu. Denn das Nachdenken über den Kandidaten hat auch es zu einem Reflektieren über mein eigenes Tun geführt (auch wenn ich kein Social Entrepreneur bin): Wie sehr entspricht mein eigenes Unternehmertum diesen fünf Kriterien? Was ist mir entlang dieser fünf Dimensionen bereits gut gelungen, wo habe ich noch nachzujustieren, woran muss ich arbeiten?

Denn Unternehmertum bedeutet immer, den Anspruch zu haben, die Welt zu verändern. Sich dabei unbequemen Fragen zu stellen, ist ein notwendiger und hilfreicher Schritt auf diesem Weg.

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Pimp My Town

Im Zentrum meiner Keynote bei „Innovation Goes Business“ des interuniversitären Gründerservices INITS stand die Urbanisierung. Meine Botschaft dazu: Zukunftsorientierte Städte profitieren von Innovation und Entrepreneurship; der Brennpunkt dafür liegt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung.

Die magnetische Kraft der Stadt ist ungebrochen. Nicht nur in Schwellen- und Entwicklungsregionen sondern auch in hochentwickelten Ländern ziehen Menschen vom Land in die Stadt und suchen ihr Glück in den Metropolen.

Paradoxerweise gewinnt der reale Ort, die tatsächliche Begegnungsfläche, gerade auch dadurch an Bedeutung, je mobiler die Gesellschaft wird, je globaler die Perspektiven werden und je mehr wir uns in digitale Realitäten verweben.

Durch den Megatrend Urbanisierung werden Städte zu den sozialen, ökonomischen, kulturellen und kreativen Zentren der Wissensgesellschaft. Sie sind mehr denn je Brennpunkt für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt.

Gleichzeitig offenbaren sich in dieser Entwicklung auch die großen Herausforderungen der Zukunft: Wie gelingt die Überbrückung der Kontraste zwischen Ökologie und Megacity, zwischen Lebensqualität und kompakter Verdichtung, zwischen Idylle und städtischer Vielfalt, zwischen Vernetzung und sozialer Desintegration? Und welche Rolle spielen ländliche Bereiche in Zukunft?

Social Entrepreneurship und Green Innovation sind Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen. Ob Green Buildings, Smart Cities oder Regiovation, von der Innovationskraft und Verantwortung künftiger Unternehmer hängt es ab, dass Urbanisierung nicht nur ein ökonomischer Standortfaktor, sondern ein sozialer und ökologischer Wohlfühlfaktor wird. Und sich das Verhältnis von Menschen zu ihren Städten und Orten wandelt.

Erfolgsentscheidend ist der Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zwischen der vom Megatrend Urbanisierung beeinflussten Stadt, der wissenschaftlichen Forschung an Universitäten und dem chancenorientierten Unternehmergeist. Die Verantwortungen dafür sind verteilt: Urbaner Fortschritt entsteht im Spannungsfeld zwischen stadtplanerischen Konzepten der Verwaltung, einem sich öffnenden Innovationsmotor Universität und nachhaltig orientiertem Entrepreneurship.

PS: Mediencoverage dazu kam von der Tageszeitung „Die Presse“ und kann hier nachgelesen werden.

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Impressum & Kontakt

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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