Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Wem kann man denn heute noch trauen?

Die Headline dieses Artikels ist ein Zitat: Es ist von einer Leserin als Antwort auf meine aktuelle Kolumne im Karriere-Teil der Tageszeitung „Die Presse“ gepostet worden. In dieser Kolumne versuche ich eine Lanze für ein Führungsprinzip zu brechen, das auf Vertrauen aufbaut. Der überaus pessimistische Kommentar der Leserin enttäuscht da. Allerdings ist er keine Einzelmeinung, das Zitat ist in dieser oder ähnlicher Form recht gängig, wenn man über Vertrauen spricht.

Und doch ist es schon aus innerer Logik heraus zu verwerfen.

Nehmen wir für einen Moment lang an, dass tatsächlich niemandem zu trauen wäre. Dann wäre eine geeignete Reaktion, den Versuch zu starten, jedem Mitarbeiter, jedem Kunden, jedem Lieferanten, jedem Partner von vornherein nur mit Misstrauen zu begegnen. Die logische Konsequenz wäre, für all diese am Unternehmensgeschehen beteiligten Menschen und alle von ihnen ausgelösten Geschäftsfälle ein minutiöses Instrumentarium an Kontrollmechanismen aufzubringen und zu betreiben. Schon allein die Vorstellung der Komplexität dahinter wirkt abschreckend. Wie in meiner Kolumne auch ausgeführt, würde ein solches Vorgehen zu einem völligen Fokus auf die Kontrollebene führen, und damit das eigentliche wirtschaftliche Handeln des Unternehmens in den Hintergrund drängen. Pointiert gesagt: Es wird nur noch kontrolliert, aber niemand weiss mehr, wozu eigentlich.

Ganz abgesehen davon, dass jene Menschen, denen nicht zu trauen wäre (also: alle!) ja selbst wiederum alles daran setzen würden, die Kontrollmechanismen auszuhebeln.

Die Absurdität dieses Gedankens führt zum logischen Schluss: Vertrauen ist schlichtweg praktisch. Und schon alleine daher ein sinnvoller Grundsatz (von humanistischen Überlegungen ganz abgesehen).

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Einsortiert unter:Business, Leadership, Leitbild, Strategie

2 Responses

  1. 100% agree. *Vertrauen* ist lebensvereinfachende Komplexitätsreduktion. Dabei manchmal auf die „Schnauze zu fallen“, schärft die Sinne, so bitter es sich anfühlen mag. Es trainiert das Beurteilungsvermögen. Pessimisten haben genau damit aufgehört, adaptieren ihre Sicht auf die Umwelt nicht mehr. Möglich auch, dass das Wort „Vertrauen“ mehrdeutig und vielschichtig interpretiert wird. Schon mal versucht zu definieren? Gar nicht so leicht, einen breiten Konsens zu finden. Bis hin zum „Gottvertrauen“ – aber wer kann schon wissen, ob diese Type so „lieb“ ist, wie weiland behauptet wird… Da hilft dann nur die *Hoffnung*, aber das ist eine andere Geschichte.

  2. Vertrauen braucht man nicht gewinnen, man kann es nur verlieren!

    Ich bin da bei Franz: Jede Gruppe, Organisation und Gesellschaft braucht Vertrauen als Grundlage. Ohne Vertrauen ist eine Gruppe selten produktiv und das Wohlbefinden der Mitglieder stellt sich auch nicht ein. Wir tun gut daran, dieses Vertrauen den Mitgliedern als Vorschuss zu gewähren. Gleichzeitig sollte dieses Vertrauen der Gruppe auch Verpflichtung für den Einzelnen sein bzgl. Einsatz, Kompetenz und Ethik.

    Ob Scorecards in einem volatilen Umfeld nun das Gegenteil von Vertrauen sind, wie man ja fast aus dem Presse Artikel schließen könnte, möchte ich dann doch bezweifeln. Es ist eher doch der Umgang einer Organisation mit diesem Instrument. Verwende ich es als Tacho für den Einzelnen, um ihm die Möglichkeit zu geben seine Schlüsse zu ziehen oder verwende ich es als multidimensionalen Korridor um das Prinzip „wir denken – ihr setzt um“ durchzusetzen….

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