Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Life is what’s happening while you are busy planning.

Meyer’s Konversationslexikon definierte ende des 19. Jahrhunderts den Begriff “Bureaukratie” als Bezeichnung für eine “kurzsichtige und engherzige Beamtenwirtschaft, welcher das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht.”  Trotz mannigfaltiger Bestrebungen zur Verwaltungsreform erscheint einiges davon im öffentlichen Sektor nach wie vor Gültigkeit zu haben, zumindest finden sich immer wieder entsprechende Beispiele. 

Doch wie sieht es in Unternehmen aus – ist die ach so dynamische und flexible Privatwirtschaft vor den Versuchungen einer allzu rigide strukturierten Ablauforganisation gefeit?

Die Antwort liefern Gespräche zu Themenkreisen wie Budgetplanung, Forecasting, Erfolgsmessung. In größeren, insbesondere auch international tätigen Unternehmen findet sich kaum ein betroffener Mitarbeiter bzw. Führungskraft, der nicht über gehörigen Leidensdruck durch interne Verwaltungsprozesse klagt, und diese Abläufe als vielfach langwierig, komplex und wenig sinnvoll empfindet. Hinzu kommt: Mit der Zeit bauen sich selbsterhaltende Strukturen auf – eine Mittelschicht (zwischen Unternehmensspitze und jenen, die tatsächlich Leistungen am Kunden erbringen), deren Daseinszweck vor allem im gegenseitigen Reporting besteht und deren wirtschaftlicher Mehrwert letztlich schwer fassbar ist.

Was wir in der Realität vorfinden, ist das Ergebnis der Kombination eines rationalen und eines emotionalen Faktors:

Auf der einen Seite wurde (und wird nach wie vor) Management zunächst als angewandte Verwaltungsaufgabe gelehrt. Ein Blick auf die Studienpläne unterstreicht das: BWL-Studenten an der Wirtschaftsuniversität Wien werden schon in der Studieneingangsphase mit Fächern wie “Accounting & Mgmt. Control” und “Betriebliche Informationssysteme” konfrontiert. Soziale Kompetenz, Personalführung sind dem nachgelagert und kommen erst viel später und in viel geringerem Umfang. Konsequenz: Künftige Manager lernen: Wirtschaft bedeutet Pläne erstellen (Budgetplan, Marketingplan, Vertriebsplan….) und deren Umsetzung zu überwachen. Das ist der rationale Part.

Hinzu kommt die grundlegende Furcht vor Ungewissheit, die Unsicherheit, die dabei entsteht, wenn man das Gefühl hat, nicht alles im Griff zu haben und der daraus entstehende Wunsch nach zusätzlichen Instrumente, das Streben nach dem genaueren Hinschauen, dem exakteren Planen und dem detaillierteren Überwachen.

Dabei lehrt uns die Praxis vor allem eines: Es gibt keine Gewissheit. Nur das Abenteuer Wirtschaft. 

Um das zu untermauern ein Beispiel: Vermutlich ist die Zeit der Unternehmensgründung jene, in der die besten Pläne erstellt werden und auch am vielschichtigsten geprüft werden: Von den Gründern selbst, von Beratern, von Banken, von Investoren, usw. Dennoch scheitern 10% der Unternehmen bereits im ersten Jahr, und nach 5 Jahren sind bereits knapp 40% der Unternehmen wieder verschwunden. Offensichtlich war es entweder um die Planungsgenauigkeit nicht sehr hoch bestellt, oder um die Umsetzungsqualität der Pläne. Wozu also das Ganze?

Auch wenn Lösungsansätze wie “Beyond Budgeting” in ihrer Radikalität möglicherweise das Kind mit dem Bade ausschütten, möchte ich doch jene bestärken, die die Vermutung hegen, es ginge auch einfacher, schlanker, eleganter.

Was es dazu vor allem braucht: Mut und Vertrauen. Mut, sich in Zeiten der Unsicherheit nicht auf vermeintlich präzise Verwaltungsstrukturen zu stützen und darauf zu verlassen, die Zukunft sei exakt vorhersehbar und planbar. Und Vertrauen in die Menschen, die im Unternehmen arbeiten, dass sie auch ohne minutiöse Anweisungen das Richtige tun werden. Mut und Vertrauen sind die vielleicht wichtigsten sozialen Kompetenzen vonFührungskräften.

Geht es ganz ohne Planung? Vielleicht nicht. Aber stellen Sie sich einfach mal vor, es gäbe keinen Budgetprozess, kein Forecasting. Wurde abgeschafft, verboten, existiert einfach nicht in Ihrem Unternehmen. Nur so als Gedankenexperiment. Wäre Ihre Firma dem Untergang geweiht oder könnte an der einen oder anderen Stelle sogar Neues aufblühen? Was müsste geschehen, damit aus dem Wegfall Ihrer internen Bürokratie schöpferische Kraft entsteht? Mit welchen Einstellungen, Haltungen müssten Sie Ihren Mitarbeitern begegnen, wie würden Sie unter diesen Umständen führen?

Das eingangs verwendete Zitat stammt übrigens von John Lennon. In diesem Sinne: Imagine!

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