Reflections on work and life.

Gedanken zu Arbeit und Leben. Von Franz Kuehmayer.

Apokalyptische Gedanken – Teil 1: Corona steigert unsere Widerstandskraft.

Für die „Generation Corona“ wird die aktuelle Situation ebenso einschneidend sein, wie die ganz großen Krisen der Vergangenheit für unsere Vorfahren. Sie „wird das Antlitz der Erde verändern“, sagte der Wiener Erzbischof in diesen Tagen. Wir leben in prägenden Zeiten. Welche Gedanken können uns durch diesen Tsunami leiten — und vor allem, uns auf eine neue Zukunft einstellen? Dazu – ohne jeden Euphemismus – fünf positiv stimmende Anregungen. *)

Hier geht es zu den weiteren Anregungen:

Teil 1:

Corona steigert unsere Widerstandskraft

Systemisch betrachtet befinden wir uns derzeit in der manifesten Phase einer Disruption. Diese Phase ist gekennzeichnet von einem plötzlich und scheinbar völlig unerwartbar auftretenden Ereignis mit massiven Auswirkungen; vom Schock, der unmittelbar darauf folgt und unseren hektischen Reaktionen. Die Ereignisse überschlagen sich, die Nachrichtenlage ist unklar, es gibt eine Reihe divergierender Interpretationen. Klar ist nur eines: Was gestern noch gültig war, hat heute seine Bedeutung radikal verändert. Wir sind live dabei und mittendrin erleben wir die Diskontinuität der Wirklichkeit.

Die Zukunft von gestern gibt es heute nicht mehr. Und sie kommt in dieser Form auch nicht wieder.

Ein solches Ereignis – in der Trendforschung nennen wir das auch Wildcard – wirft seine Schatten oft indirekt voraus. Und zwar in Form schwacher Signale. Schon in der Latenzphase, also bevor es richtig losgeht, spüren wir Cracks in der Einstellung und Haltung von Menschen. Diese Störgefühle haben nicht immer ursächlich mit dem Ereignis der Disruption selbst zu tun, sie vermitteln uns eher ein subtiles Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“.

Wer aufmerksam war, hat schon vor Corona eine Ahnung gehabt, dass das Festhalten an der Anwesenheitspflicht in Büros ein Auslaufmodell ist; dass grenzenloses Wachstum und Klimakrise nicht in Deckung zu bringen sein werden; dass junge Generationen völlig andere Vorstellungen von gelungenen Karrieren haben – kurz: dass sich eine neue Art des Wirtschaftens am Horizont anbahnt. Diese Erkenntnis konnte man haben, oder auch nicht; und man konnte auf ihrer Basis zu neuen Strategien gelangen; oder auch nicht.

Erfolg bei der Bewältigung von Krisen hat ganz wesentlich damit zu tun, sensibel für solchen schwachen Signale zu sein, die eigene Aufnahme- und Wahrnehmungsbereitschaft zu steigern. Nur wer seine Antennen ausgefahren hat und sich regelmäßig darum bemüht, das weiße Rauschen in der ständigen Informationsüberflutung zu durchdringen, kann sich auf Wildcards vorbereiten.

Unsere Erfahrung aus der Praxis der Unternehmenberatung zeigt, dass allzu viele Führungskräfte im Normalbetrieb mit geradezu fröhlicher Nachlässigkeit sich und Ihre Betriebe in falscher Sicherheit wiegen – ganz nach dem Motto: Disruption ist etwas, das anderen widerfährt, mir kann nichts passieren. Digitalisierung ist ja doch nur die aktuelle Sau, die Trendforscher durch das Dorf treiben, ich kann unberührt davon weitermachen; und auch die junge Generation wird sich schon noch anpassen, wenn sie mal so richtig im Arbeitsleben steckt.

Besonders häufig treffen wir derartige Haltungen bei historisch erfolgreichen Unternehmen an. Erfolg ist eben tatsächlich ein schlechter Lehrmeister.

Mit einem Schlag hat Corona diese Blase aufgestochen, das Bild der Unverwundbarkeit erschüttert. Und das ist gut so. Es wird unsere Widerstandsfähigkeit gegen andere, mildere Gefahren – z.B. solche der Disruption durch neue Technologien oder Wettbewerber – steigern.

Zurück zur Gegenwart: Wir durchlaufen gerade die ersten Schleifen auf der Achterbahn der Gefühle: Schock, Leugnung, Anstregung. Die guten Nachrichten sind: Wir wissen aus der Psychologie von Veränderungsprozessen, was danach folgt: Hoffnung, Überwindung und Enthusiasmus über das Erreichte. Der Blick nach vorne hilft also.

Aber nur dann, wenn aus der Krise die Lehre gezogen wurde, dass eine methodische und regelmäßige Bearbeitung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sinnvoll und wirksam ist. Dass es zu den obersten Führungsaufgaben gehört, nicht den Regelbetrieb am Laufen zu halten, sondern sich mit Inspiration und Irritation zu beschäftigen. Dass Voraussicht kein naturgegebenes Talent von Führungskräften ist, sondern mit Disziplin und Arbeit verbunden ist.

Zu all dem gibt es bewährte Verfahren und Vorgehensmodelle. Sie müssen eben auch angewandt werden. Vor allem aber ist Zukunftsfähigkeit eine grundlegende Haltungsfrage von Führungskräften.

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*) Warum es sich dabei um apokalyptische Gedanken handelt, erfahren Sie im fünften Teil der Serie. Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen:

 

Filed under: Business, DailyLeadership, Future Of Work, Leadership, Zukunft

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Impressum und Kontakt

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.

 

Kontakt: hallo @ franzkuehmayer.com

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