Reflections on work and life.

Aspire the impossible. Create the future.

Orgatec 2016 – The Good, The Bad, The Ugly

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Ich war heuer zum ersten Mal auf der OrgaTec, der führenden Büroorganisationsmesse, in Köln und wollte mir einen Eindruck verschaffen, wie “mein” Thema – Future of Work – auf der weltweit bedeutendsten Messe ausgestellt wird. Hier sind meine Erkenntnisse.

1. The Good.

Auf der Webseite der Messe wird ein historisches Zitat (aus dem Jahr 1953) verwendet: „Man unterschätze die ‚Äußerlichkeit‘ nicht, es ist nicht bedeutungslos für die Leistungsfähigkeit des schaffenden Menschen, ob er in einem schöngestalteten Büro oder in einem Schrank- und Aktenfriedhof arbeiten muss.” Das stimmt natürlich weiterhin: Es ist besser in einem schönen Büro mit neuen Möbeln zu arbeiten, als in einem hässlichen mit abgewohnten oder unergonomischen.

Und da zeigt sich die große Stärke der Messe: An schönen und gut designten Möbeln herrscht nun wirklich keinerlei Mangel, ergänzt mit ebenso spannenden und hochwertigen Einblicken in Materialien (etwa Bodenbeläge) und Objekten (etwa Lichtquellen).

Es gibt keinen Grund, in einem hässlichen, langeweiligen Büro zu arbeiten und die Messe zeigt jede Menge Exponate, wie es besser geht.

2. The Bad.

Leider leitet sich aus dem ersten Absatz auch direkt die erste Kritik ab. Nach dem Durchschreiten aller Hallen und der Unterhaltung mit unzähligen Ausstellern bleibt der Eindruck, dass Gestaltung nach wie vor im Vordergrund steht. Klar, die Funktionalität der einzelnen Produkte ist beeindruckend, Ergonomie, Schalldämpfung, Klimaregulierung usw. sind bei den allermeisten auf hohem Qualitätsniveau.

Bloß: Bei klaren Konzepten dahinter wird es dünn, da hört und liest man dann eben doch viele Gemeinplätze über das moderne Büro, die leider allzuoft als Marketinggeschwurbel daherkommen. Dass eine Arbeitsumgebung anhand harter Zahlen, Daten und Fakten, die spezifisch für den jeweiligen Kunden erhoben werden, optimiert werden kann und soll, dass es einen sehr engen Zusammenhang zwischen der ganz speziellen Unternehmenskultur und Bürolandschaft geben kann und soll, das ist nach wie vor viel zu selten bei (Innen-)Architekten und Möbelherstellern angelangt. Oder es bleibt auf der ästhetischen Ebene und dringt nicht an die Substanz vor.

Es werden wohl viele “Büros der Zukunft” ziemlich gleich aussehen und mittelgut funktionieren.

3. The Ugly.

Die Orgatec versteht sich laut Eigenwahrnehmung als Leitmesse für moderne Arbeitswelten. Und das in einer Zeit, die von einem enormen Umbruch der Arbeitswelt geprägt ist, ausgelöst durch Digitalisierung und der nicht unberechtigten Sorge, ob wir überhaupt noch Arbeit haben werden; durch Mobilität und der Kernfrage, warum wir eigentlich ins Büro gehen, wenn wir das Büro doch eigentlich in der Manteltasche mit uns herumtragen; durch neue Business Modelle, neue Formen der Zusammenarbeit, der Kommunikation und des Austausches; durch neue Wertvorstellungen zum Thema gelungene Karriere und Arbeit.

Und doch bleibt die Orgatec nicht viel mehr als eine Möbelmesse. Eine sehr gut gemachte, aber eben nur das. Gefühlt mehr als 90% der Fläche sind mit Tischen, Stühlen, Wandelementen voll. Eine innovative Insel im Ozean der Drehstühle liefert gerade mal die (kleine) Re/Work Ausstellung; von Büro-Technologie-Anbietern findet sich halbwegs prominent nur Microsoft und ein kleiner Stand des Fraunhofer Institutes; Unternehmensberater und all jene, die tiefgreifend Arbeit und Organisation neu konzeptionieren, fehlen letztlich völlig.

Vom Motto “Arbeiten neu denken” bleibt letztlich vor allem übrig: “Arbeitsmöbel schön denken”. Und das ist dann doch zuwenig.

Die erfreuliche Konsequenz aus dem Messebesuch für uns als Berater: Es gibt weiterhin jede Menge zu tun. Gut so.

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Der Monza Effekt

Im Wiener Prater gibt es eine Kinder-Autobahn, auf der ich schon als kleiner Bub gefahren bin, und die in weitgehend unveränderter Form nach wie vor existiert. 

Für die Kinder in den Autos gibt es zwei wichtige Dinge: Erstens einen kleinen roten Knopf, das ist die Hupe. Und zweitens, natürlich, das Lenkrad. Mit großer Leidenschaft wird daran vor jeder Kurve gekurbelt und gedreht, um die erwünschte Richtungsänderung einzuleiten.

Werden die Kinder größer, geht die Freude an dieser Autobahn allerdings verloren. Der Grund dafür: Die Autos fahren auf Schienen, das Lenken ist sinnlos. Sobald man das erkannt hat, sobald man gewahr ist, dass man als Passagier hilflos drin sitzt und im Kreis gefahren wird, verliert die Autobahn schlagartig ihre Faszination. Hupen ist das einzige, das bleibt. Oder Aussteigen.

Diese Prater-Attraktion heißt „Monza-Autobahn“ und ich benenne daran angelehnt eine besorgniserregende Entwicklung in der politischen Landschaft: Den „Monza-Effekt“.

Zu Wählen ist das höchste Gut in einer Demokratie. Man verleiht damit nicht nur seiner politischen Gesinnung Ausdruck, sondern gibt seiner Vorstellung einer guten Zukunft politische Richtung. In der Hoffnung, dass – ganz nach dem Prinzip von res publica – der Wähler als Souverän Richtungsänderungen ermöglicht, in dem er jenen Repräsentanten seine Stimme verleiht, die am ehesten in die vom Wähler gewünschte Richtung lenken werden, oder verhindern, dass andere in die falsche Richtung steuern.

Angesichts von komplexen und immer komplexer werdenden Aufgabenstellungen; angesichts von eng miteinander verwobenen Interessenslagen zwischen eigentlicher Politik, politischen Vor- und Umfeldorganisationen, Interessensverbänden, Meinungsmachern und sonstigen Stakeholdern; und angesichts einer sehr schwammig gelebten Gewaltentrennung, in der Legislative und Exekutive von der Regierung ausgeht, und die effektive Wirksamkeit des Parlaments in der Praxis fragwürdig ist, verliert sich allerdings immer öfter die Spur. 

Neue politische Gruppierungen entstehen, mit – je nach Weltanschauung des Betrachters – mehr oder weniger nachvollziehbaren Ausrichtungen und mehr oder weniger professionell und redlich agierenden Personen. Jedenfalls entsteht der Effekt einer Fragmentierung der politischen Landschaft – was ja auch der Individualisierung der Lebensstile der Bürger entspricht, die sich eben nicht mehr so einfach wie früher in zwei, drei große Lager mit weitgehend homogenen Interessenslagen einteilen lassen.

Die ehemals großen Parteien sind inzwischen deutlich geschrumpft, und zwar nicht nur hinsichtlich ihres Stimmenanteils, sondern auch ihrer intellektuellen Kapazität und ihrer Fähigkeit, entscheidende Lösungen zu erarbeiten und durchzusetzen, und nicht zuletzt auch deswegen eng mit dem genannten Netzwerk verwoben. Im Ergebnis stehen sie den Herausforderungen der Zeit zunehmend hilflos gegenüber.

Die Opposition ist vielfach kleinteilig strukturiert, den Partikularinteressen enger Zielgruppen verpflichtet und damit nicht nur stellenweise weit off topic an Nebenschauplätzen gebunden, sondern auch in einem intensiven Wettbewerb untereinander gefangen, der Kooperation innerhalb der Opposition selten macht. Hinzu kommt dass aufgrund der Geschäftsordnungen des Parlamentarismus die Rechte der Opposition von vornherein eingeschränkt sind bzw. sich weit hinauszögern, in endlose Längen ziehen oder gar überhaupt ignorieren lassen.

Einer hilflosen Regierung steht eine wirkungslose Opposition gegenüber.

Für den Bürger entsteht der Eindruck, dass es letztlich egal ist, wo er sein Kreuzerl macht. Der Monza-Effekt tritt ein: Das Lenkrad ist wirkungslos, es bleibt zur kurzfristigen Ventilierung der Frustration und als Beschäftigungstherapie der rote Knopf, der die Hupe betätigt – und mittelfristig das Aussteigen und Zusehen.

Die größte Gefahr für unser demokratisches System ist nicht, dass Fehlentscheidungen von Politikern getroffen werden. Sondern dass angesichts einer als sinnlos wahrgenommenen Gemengelage in der Politik die Wähler – so wie die Kinder im Auto im Prater – das Interesse an der Teilnahme verlieren und sich abwenden.

Es bleibt die Hoffnung, dass dieses Risiko gut und rechtzeitig erkannt wird, und nicht auf dem Altar des jeweils aktuellen politischen Kleingeldwechselns oder des eigenen politischen Überlebenswillens geopfert wird.

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Warum ich seit Jahren das Integrationshaus unterstütze

Urlaub in einem wunderbaren traditionellen Skiort im Salzburgischen, ich komm hier seit 30 Jahren her, sommers und winters und geniesse die Athmosphäre, die Berge und die Therme. Ganz fein eben. Fast ganz fein, wie das folgende Erlebnis zeigt, das mich darin bestärkt, aufmerksam gegen Intoleranz zu sein und dagegen etwas zu unternehmen.

Also, geplant ist ein nettes Abendessen zu zweit, es gibt da ein kleines Lokal am Ortsrand, das mit guter Küche und Wohnzimmerathmosphäre wirbt. Wir bestellen einen Tisch für zwei, als wir hinkommen ist unser Tisch aber nicht im netten "Wohnzimmer" sondern in einem hell erleuchteten Nebenraum. Während die anderen Gäste also bei Kerzenlicht in romantischer Umgebung zu Abend essen, sitzen wir etwas abseits an einem recht grossen runden Tisch unter einer 100W Birne. Aber ok, kein Problem, wir sind da recht easy. Etwas später füllt sich der Extraraum, in dem auch noch eine kleine Theke ist, und es setzen sich – selbstverständlich ohne zu fragen – Gäste zu uns an unseren Tisch. Wir merken, aus dem Abendessen zu zweit wird wohl nichts mehr. Alles immer noch einigermassen okay. Etwas später, die Hauptspeise ist gerade eingestellt worden, beginnen unsere Tischgenossen – natürlich ebenso ohne zu fragen – zu rauchen. Wir bitten höflich darum, zuzuwarten bis wir mit dem Essen fertig sind. Das hätten wir nicht tun sollen, denn mit dieser Frage ändert sich die Stimmung dramatisch.

Was wir nicht wussten, aber gleich zu hören bekamen: Wir wurden von der Wirtin offenbar an den Einheimischentisch gesetzt. Und so wird unsere Bitte gleich mit einem "Na oba sicher net" beantwortet. Wir schauen etwas verdutzt, ähm, wiederholen die Frage nochmals und die Situation eskaliert augenblicklich, denn die rauchende Dame und ihr Partner lassen ansatzlos eine Schimpfkanonade auf uns los. In den nächsten 3 Minuten hören wir Sätze wie "Des is unser Tisch, dass des amoi kloa ist, und do loss i mir nix sagen von Dir" – "Wann Eich wos net passt dann fahrts ham wo’s herkommen seids" – "Ihr soitats froh sein, dass überhaupt do essen dirfts" – "Do herin haben soiche wie Du nix verloren, ihr gherts do net her" – "Mir woin do anständige Touristen haben, net soiche Raunzer wie Eich". Anfängliche Kalmierungsversuche fruchten nichts, im Gegenteil, recht rasch gibt mir der eine Tischgenosse zu verstehen, dass er die weitere Diskussion mit mir gerne draussen vor der Tür fortsetzen möchte – wohl etwas weniger wortreich. Weil "Soiche wie Eich brauch ma do net, schauts dass weiter kommts"

Keiner der anderen Gäste zeigt Interesse daran, uns beizustehen. Auch die Wirtin, die uns ja diesen Sitzplatz zugewiesen hat, zeigt ausser etwas hilflosen Kommentaren kein Interesse mehr an uns. Wir zahlen und verlassen fluchtartig das Lokal. Wie das Essen war? Keine Ahnung, ich erinnere mich nur an die Wut im Bauch. Nicht wegen des Rauchens. Sondern über die unverschämten und verletzten Sätze, die da fallen.

Für uns war dieses Schauspiel wohl nur die eigentlich unglaubliche Ausnahme. Aber Immigranten hören solche Sätze nicht nur ausnahmsweise, sondern ständig. Ich erlebe solche Vorkommnisse vielleicht nur einmal, aber Zuwanderer erleben das täglich. Ich kann mir in solchen Situationen wortgewandt helfen oder muss zumindest keine Furcht vor schwerwiegenden Folgen haben, aber Asylwerber oder Menschen mit Immigrationshintergrund haben diese Sicherheit nicht. Ich bin der Meinung, solche Aussagen sind keine Frage schlechten Benehmens, sondern eine Haltungsfrage, eine Frage des Anstands und des Menschenbildes, das man in sich trägt.

Und darum bin ich GEGEN eine eine menschenfeindliche Integrationspolitik, egal ob sie ganz offensichtlich aggressiv ist (das ist zumindest noch ehrlich), oder, wie aktuell zu erleben, unter dem Deckmantel christlich-sozialer Aussagen süssholzraspelnd (also zusätzlich auch noch feig). Und ich bin FÜR Institutionen, die denen helfen, die in solcher Lage hilflos sind. Das Wiener Integrationshaus bietet seit 1993 Flüchtlingen und Asylwerbern eine menschenwürdige Übergangs-Unterkunft und Betreuung, wobei durch zahlreiche Rahmenprojekte die Nachbarschaft miteinbezogen wird. Damit Sätze wie "Soiche wie Euch brauch ma do net" keine Zukunft haben, egal wer sie hören bekommt.

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Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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