Reflections on work and life.

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Wissensarbeiter dürfen kein Freiwild sein!

aufmacher_zukunftsraeume_1-878x500Die Bestimmungen des Arbeitsrechts sind in Zeiten von New Work überholt – aber abschaffen sollte man es dennoch nicht. Drei Thesen zu einem zukunftsfähigen Arbeitsrecht.

Das Nachdenken über Schutzbestimmungen am Arbeitsplatz beginnt zur Hochblüte der industriellen Revolution, in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Extreme Arbeitszeiten unter grauenvollen Bedingungen waren ebenso die Regel wie Kinderarbeit – mit dramatischen gesundheitlichen und sozialen Folgen. Erst als darunter auch die Leistungsfähigkeit des Militärs zu leiden begann, rang man sich zu entsprechenden gesetzlichen Auflagen durch. 1839 ordnete das “Preußische Regulativ” erstmals die Kinderarbeit in Deutschland – und selbst über die dann besseren Zustände können wir heute nur ungläubig den Kopf schütteln.

Aus heutiger Sicht scheinen uns viele der Grundlagen dieser Entwicklung glücklicherweise überwunden. Doch es lohnt sich, ein wesentliches Merkmal aus der Anfangszeit des Arbeitsrechtes im Fokus zu behalten – allerdings aus anderer Perspektive: Musste man Mitarbeiter einst vor der expliziten Ausbeutung durch Unternehmen schützen, muss man sie heute eher vor der impliziten Ausbeutung durch sich selbst schützen.

Drei Argumente für einen neu gedachten Arbeitnehmerschutz:

1. Wissensarbeiter dürfen kein Freiwild sein.

Dass die alten Regeln im Zeitalter der Wissensarbeit nur teilweise wirken können, zeigt schon die Tatsache, dass viele Bestimmungen der Arbeitnehmerschutzverordnungen für leitende Angestellte keine oder nur eingeschränkte Anwendung finden. Dabei gilt als Maßstab dafür, wer leitend ist, nicht die Hierarchie im Unternehmen, sondern die Bedeutung des Mitarbeiters für den unternehmerischen Erfolg. Leitend ist nämlich, wer “für den Bestand und die Entwicklung des Unternehmens von Bedeutung ist und (…) Entscheidungen im Wesentlichen frei von Weisungen trifft oder sie maßgeblich beeinflusst”.

Das ist zugleich eine ziemlich exakte Beschreibung der vielgesuchten und hochgeschätzen selbständig und intraprenuerhaft agierenden Mitarbeiter. Künftig werden solche Mitarbeiter nicht mehr eine dünne Schicht von herausragenden Führungskräften sein, sondern die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter bilden. Und für eben diese Mehrheit finden die Bestimmungen der alten Arbeitsgesundheitsgesetze keine Anwendung. Wie relevant sie dennoch sind, zeigen alle Statistiken, die sich mit Belastungssymptomen von Wissensarbeitern auseinandersetzen: psychische Erkrankungen, Erschöpfungssymptome, Burnout.

Konsequenz: Das Arbeitsrecht muss an aktuelle Berufs- und Belastungsbilder herangeführt werden.

2. Die Orientierung an alten Leitplanken hilft nicht mehr.

Ein weiteres zentrales Feld des Arbeitsrechts ist die Arbeitszeit. Zukunftsorientierte Unternehmen beurteilen ihre Mitarbeiter längst nicht mehr nach Anwesenheitszeit, sondern nach Ergebniserreichung. Die Arbeitswelt ist vielschichtiger, aber auch diffuser geworden. Ehemals deutlich abgegrenzte Arbeitszeiten werden zu einem ständigen Wechsel flexibilisiert: Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Zeitautonomie, Arbeit auf Abruf und vieles mehr.

Verstärkt wird diese Entwicklung durch den technologischen Fortschritt und organisatorische Maßnahmen. War es bis vor Kurzem auch für Wissensarbeiter notwendig, ins Büro zu fahren, weil ebendort die Produktionsmittel (Schreibmaschine, Akten, Telefon…) verortet waren, so hat man diese Mittel inzwischen immer dabei: Notebook und Smartphone erlauben zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten. Das führt ganz real zu einer Entgrenzung der Arbeit, zu einem Durchdringen ehemals geschützter Lebensbereiche mit Arbeit.

Radikalvorschläge wie ein E-Mail-Verbot nach Dienstschluss sind eher mit Entzugsprogrammen für Süchtige zu vergleichen als mit echter Lösungsorientierung. Denn natürlich profitieren wir auch von der Entgrenzung, erst sie erlaubt einen selbständig bestimmteren Tagesablauf. Arbeitsflexibilisierung bringt selbstverständlich auch Vorteile für Arbeitnehmer.

Zielführender ist die Erkenntnis, dass die Welt komplexer geworden ist – und deshalb vielschichtigere Lösungen gefragt sind. In der Vergangenheit haben uns gesetzliche Rahmenbedingungen die Defragmentierung unseres Lebens abgenommen: Arbeit und Freizeit waren die zwei großen, diametralen Zeitblöcke in unserem Leben. Heute besteht unser Leben zunehmend aus einer großen Vielzahl kleiner Blöcke, die sich in rascher Folge abwechseln: Während der Bürozeiten die eigene eBay-Versteigerung verfolgen oder Facebook-Nachrichten lesen, am Nachmittag Zeit mit den Kindern verbringen statt im Büro – Freizeitblöcke während der Arbeitszeit. Zwischen Abendessen und Schlafengehen oder am Wochenende im Kaffeehaus kurz Mails beanworten – Arbeitsblöcke während der Freizeit.

Die Verantwortung für das Verwalten dieser Blöcke lässt sich nicht mehr so einfach an ein starres Regelwerk delegieren. Eine völlige Entgrenzung sollte daraus dennoch nicht ableitbar sein.

Konsequenz: Ein Arbeitsrecht, das Zeit in den Mittelpunkt seiner Schutzbestimmungen stellt, greift zu kurz.

3. Süße, aber gefährliche Verlockung

Was auf den ersten Blick glänzt, muss nicht tatsächlich vorbildlich sein. Das zeigen die Innovationsführer im Silicon Valley, deren Arbeitsstätten die hierzulande übliche Grundversorgung der Belegschaft meist weit übertreffen: Im Traumbüro an der US-Westküste wird den Mitarbeitern die Putzfrau bezahlt, es gibt natürlich eine Mitgliedschaft im Fitnessclub (bzw. das Fitness-Center ist ins Bürogebäude integriert), Pilates-Angebote, Maniküre und Pediküre, einen Reinigungsservice für Kleidung und Autos, ein Handwerkerservice für zu Hause, Kinderbetreuungseinrichtungen, eigene Pendlerdienste (natürlich mit WLAN an Bord) – alles kostenlos oder subventioniert.

Inzwischen hat das Angebot die Schwelle des Reizvollen überwunden und ist schon zur Voraussetzung geworden, um als Arbeitgeber überhaupt in Betracht gezogen zu werden. „Mindesteinsatz“ sei all das, sagte eine Führungskraft des Softwareunternehmens Autodesk in einem Gespräch mit dem „Manager Magazin“.

Im Silicon Valley zeigt sich die Speerspitze des Kampfes um die besten Talente. Wie unter einem Brennglas lässt sich hier studieren, zu welchen Mitteln Unternehmen greifen, um Mitarbeiter anzuziehen, zu halten und zu Höchstleistungen zu treiben. Denn diese Maßnahmen sind selbstverständlich keine Wohlfühlprogramme von selbstlosen Firmen: „All diese Annehmlichkeiten erleichtern unser Leben, so sind wir weniger abgelenkt“, erklärt eine Mitarbeiterin bei Evernote. „Wenn wir nicht daran denken müssen, dass wir täglich drei Stunden unproduktiv im Auto im Stau stehen oder dass wir am Abend noch die Wohnung reinigen sollten, sind wir entspannter und können uns mehr auf die Arbeit konzentrieren.“ Neben dem Aspekt des Employer Brandings sind also auch ganz klar produktivitätssteigernde Effekte eingerechnet.

Ist künftig zu erwarten, dass ein Kandidat für einen Job als Lohnbuchhalter in einem mittelständischen europäischen Betrieb beim Bewerbungsgespräch nicht mehr nach Überstundenregelungen fragt, sondern nach dem firmeneigenen Pediküre-Service? Die Antwort lautet: Nein – und das ist gut so. Denn Arbeitswelten, die auch jenseits der Büros als geradezu hermetische Lebenswelt entworfen sind, zeigen auch die Schattenseiten der neuen Arbeitswelt. Wer nicht nur den überwiegenden Anteil seiner Wachzeit im Büro zubringt, sondern es auch als Mittelpunkt seines Soziallebens positioniert, mag das im Augenblick praktisch und bequem finden. Mittelfristig leidet der Mensch in einem solchen Soziotop aber an emotionaler Entfremdung und sozialer Verarmung.

So wird aus dem Traumbüro eine perfide Falle. Denn in letzter Konsequenz führt es dazu, dass Mitarbeiter in einer eigenen Blase arbeiten und leben – und vom Alltag “da draußen” abgekapselt sind. Das kann letztlich auch nicht im Interesse von Unternehmen sein. Denn so verkümmert nicht nur der Mensch, sondern auch die Inspirationsquelle für neue Ideen und der Bezug zu Markt und Kunden.

Konsequenz: Das Überschreiten arbeitsrechtlicher Voraussetzungen durch „traumhafte“ Arbeitsbedingungen kann nicht die Rahmenbedingungen für produktive und gesunde Wissensarbeit ersetzen.

 

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert als Teil der Kolumne “Zukunftsräume” in Kooperation zwischen XING und dem Zukunftsinstitut. https://spielraum.xing.com/2015/05/wissensarbeiter-duerfen-kein-freiwild-sein/

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2016: Drei Vorhersagen zur Zukunft der Arbeit

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Jahresbeginn. Ich fasse hier keine guten Vorsätze, wage aber 3 Prognosen zu zentralen Themen, die die Arbeitswelt 2016 prägen werden:

1. Interkulturelle Kompetenz wird entscheidend.

Wenn uns das vergangene Jahr und der ungebrochene Zustrom an Menschen nach Europa eines gelehrt hat, dann vor allem dieses: Unsere Gesellschaft wird bunter und vielfältiger werden. Für Führungskräfte, die mit halbwegs offenen Augen durch die Welt gehen, sollte das keine besondere Neuigkeit sein, schließlich ist die Wirtschaft schon seit geraumer Zeit globalisiert oder zumindest europäisiert. Das trifft gerade auch für Österreich zu, mit seiner mittelständisch geprägten Unternehmenslandschaft mit teilweise hoch innovativen Betrieben und einem kleinen Binnenmarkt. Neu ist, dass Interkulturalität nicht nur für internationale Vernetzung entscheidend ist, sondern zunehmend auch für den nationalen Erfolg. Und zwar sowohl am Arbeitsmarkt, als auch absatzseitig.

Konsequenz: 2016 werden jene Unternehmen gewinnen, die Migration als Chance begreifen und sich als interkulturell kompetentes Unternehmen präsentieren – und zwar nicht nur mit wohlklingenden Worten oder lobenswerten Charitymaßnahmen, sondern als integraler Teil der gesamten Unternehmenskultur.

2. Das Thema Generation Y verselbständigt sich.

Kein HR-Kongress, keine Wirtschaftsberichtserstattung der letzten Zeit kam um die Generation Y herum. Was zeichnet die jungen, begehrten Arbeitskräfte aus, wonach streben die Talente von morgen und wie gelingt es, sie ans Unternehmen zu binden? Diese Fragen waren nicht nur in der öffentlichen Diskussion prägend, sondern auch in der konkreten Personalarbeit vieler Unternehmen. So richtig und wichtig der Fokus auch ist, er verstellt den Blick auf eine entscheidende Tatsache: Die Disskussion um neue Werte der jungen Generation hat sich längst verselbständigt und auch andere Altersschichten und Bildungsklassen erreicht. Auch die Mitte 40-Jährigen denken immer öfter, dass es gar nicht so verkehrt ist, nach Sinn im Beruf statt nach Bonuszahlungen zu streben und dass ein familientauglicher Arbeitgeber attraktiver ist als einer, der dickere Dienstwägen anbietet.

Konsequenz: Nur Unternehmen, die Fragen nach zukunftsorientierten Arbeitsformen nicht als reine Recruitingmaßnahme für einige junge Talente interpretieren, sondern gesamthaft und glaubwürdig im Unternehmen umsetzen, werden 2016 Erfolg haben.

3. Digitalisierung wird zur Überlebensfrage.

Gerade einmal 27% der Banken sind der Ansicht, dass Digitalisierung ihr Geschäftsmodell deutlich beeinflussen wird, erst knapp über 40% der Betriebe haben überhaupt erste Projekte in Richtung Digitalisierung gestartet und nur 5% der Vorstände sind im Thema persönlich involviert. Kodak läßt grüßen. Von einzelnen Pionieren abgesehen ist Österreichs Wirtschaft weit davon entfernt, die enorme Sprengkraft der digitalen Transformation überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn zielführende Strategien abzuleiten. Allzuoft wird Industrie 4.0 als Förderband mit Internetanschluss wahrgenommen, oder als Ausstattung der Mitarbeiter mit Smartphones. Und gar nicht selten brüsten sich Unternehmer nach wie vor mit analoger Ignoranz: Digitalisierung sei bloß eine weitere Sau, die durch Dorf getrieben wird, schon bald sei das Thema erledigt und es kehrt wieder Ruhe ein. Eine Einschätzung, die falscher nicht sein könnte.

Konsequenz: Digitale Exzellenz, also die ernsthafte Auseinandersetzung mit digitaler Transformation, der dazugehörende Kompetenzaufbau und die zügige strategische Umsetzung, werden schneller als viele es wahrhaben wollen nicht nur zum Wettbewerbsfaktor, sondern bereits 2016 zur Überlebensfrage für Betriebe.

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We will work very differently tomorrow.

I will be attending Microsoft’s Worldwide Partner Conference (#WPC15), because I am keen to learn about how the world’s largest software company thinks about digital transformational effects and to discuss with Microsoft executives and partners how they think about the future. And also because I have been invited to give a speech together with David Geevaratne, NewSignature’s CSO about the Digital Workplace of the Future. If you’re attending WPC15 as well, come join our session or give me a ping, so we can meet!

Here’s a brief intro into our talk- three examples of why we will work very differently tomorrow and what it means for leadership of the future.

The saying „A fool with a tool is still a fool“ refers to the fact that the mere introduction of new technology is often not good enough as a solution. With the digital workplace radically changing the way we work, this is more than ever true.

Tomorrows workplace is not just a copy of todays, only faster and leaner, because IT is no longer just a driver for efficiency. On the contrary, IT impacts entire value chains and business models: The largest taxi company in the world? Uber, operates not a single car. The largest hotel chain in the world? AirBnB, owns not one single room. A supermarket in Korea? Not a retail site, but a poster in a subway station – customers order products using their smartphones and QR codes and while they ride home, their purchase is being shipped home as well. Critical successfactors of the past have become obsolete: No need to own cars, hotels, retail space.

And no need to come to the office anymore. Even knowledge workers were bound to the physical world just recently. We came to the office every morning because our means of production were there: Files, telephone, printers, fax machines and even our collegues. But with solutions such as Microsoft Office 365 we have those virtually in our pockets whereever we are. And with that, company structures and leadership principles change. Three examples:

1) Collaboration is key

Winston Taylor was one of the masterminds of the industrial world, he defined some of the core principles that made businesses successful in the last 100 years. Divison of labor is one of those. It sounds convincing: While it is difficult to manage the whole company with all its complexity, it is much more easy to divide it into smaller teams and manage those. But if we talk to managers across the world, very few face the challenge of how to divide labor – most have exactly the opposite problem: How do I get different departments to work together better, how do I break information silos in my company. In the past, the key to success was how to divide the company, tomorrows key to success is how to enhance collaboration. Solutions such as Microsoft Skype for Business allow for real time communication and collaboration in the most seamless way: Presence information, voice, video, shared documents.

2) Deciding under information overload

The idea that an increasing amount of information improves the quality of decisions is no longer valid. Anybody having the impression to receive too few e-mails? Getting information off the internet – and off company internal data sources – is like taking a drink from the water hose. The results are dramatic: Up to 48% of managers feel the amount of information that hits them on a daily basis is actually putting them under more stress than helping them; 9 out of 10 executives ignore data the receive if it disagrees with their intuition; and smartphone owners typically look at their devices display 150x per day. One of the scarcest ressources of the future will be our attention span. And it is not just behaviour that needs to adapt, we will need better IT solutions to help us filter the useful from the noise. PowerBI, a function in Office 365, is one of these technologies that enable decision makers and knowledge workers to make sense of big data.

3) New communication styles

With all the technologies in place, many people still use a very narrow range of communication tools: E-mail, telephone and texting (incl. “modern” texting such as Whatsapp). And even if we do use the full features of IT, we still have to learn how to be really productive: 65% of people in a conference call do some other work in parallel, 55% eat or prepare food, 43% are really just active on social media and 21% play online games or do some online shopping. Imagine how a meeting in the physical world would look like if it was run in a similar way. Which leads us back to the quote at the beginning: If we don’t want to stay fools with tools, we need partners who understand our business and how IT can and will impact it. Microsoft partners specialized in Office 365 and Cloud solutions frequently are not just technology providers but go much deeper in helping customers to change their way of working – and customers need to budget for that to make technology really productive for themselves.

Just three out of many examples that show that how deep the change of the digital workplace of the future goes. Tomorrow’s leaders will not only see their own personal work style change, but will need to rethink processes, culture and business models for the entire company. The changes that IT brings lead many managers to new territory – solid ground comes not only from pure technological solutions, but from integrated concepts that merge technology and business understanding.

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Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker zur Zukunft der Arbeit.
  
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